Ein Unternehmer holt Sie dazu, weil in seinem Betrieb ein Mitarbeiter seit Monaten ausgegrenzt und schlechtgemacht wird. Gespräche und eine Abmahnung haben nichts verändert. Ob Sie als Arbeitsrechtler, Mediator, Coach oder Berater gerufen werden: Bei Mobbing am Arbeitsplatz kommen Sie mit Regeln und Sanktionen allein selten weiter, weil die Ursache nach unserer Erfahrung nicht auf der Sachebene liegt.
Die Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz
Betroffene entwickeln häufig Angst und Rückzug. Manche reagieren irgendwann selbst aggressiv. Das wirkt sich auf Arbeitsleistung und Privatleben aus. Misstrauen, Verunsicherung und innere Kündigung sind typische Folgen.
Deshalb lohnt es sich, das Thema früh anzusprechen, wenn Sie ein Unternehmen begleiten.
Nach der Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin von 2002 (Link: Mobbing-Report, 2002) gaben 9,6% der Befragten an, dass das Thema Mobbing das private Leben bestimmt.
Die Auswirkungen auf die private Situation sind Unausgeglichenheit, allgemeine Belastung, Streit in der Familie und Partnerschaft und soziale Isolation.
Durch Mobbing am Arbeitsplatz werden Menschen verletzt, schlecht gemacht, bloßgestellt. Die Folgen sind sowohl für die Gemobbten als auch die Teams und das ganze Unternehmen verheerend.
Die Ursachen für Mobbing
Unsere Erfahrung ist, dass Mobbing am Arbeitsplatz durch Verletzung der Systemgesetze entsteht. Systemgesetze beschreiben Grundbedürfnisse und Ordnungen in jedem menschlichen System, etwa Zugehörigkeit (kein Ausschluss), Anerkennung, Ausgleich von Geben und Nehmen und Früher hat Vorrang vor später. Im System Empowering gehen wir davon aus, dass ein Team nur dann stimmig erfolgreich zusammenarbeiten kann, wenn sie eingehalten werden.
Werden sie jedoch verletzt, beispielsweise weil sich ein Mitarbeiter ausgeschlossen und nicht genügend anerkannt fühlt, wird es schwierig im Team. Es beginnt meistens mit Kleinigkeiten.
Beispiel: Ein neuer Mitarbeiter bringt am ersten Tag sein ganzes Wissen mit bester Absicht ein: „In meinem letzten Betrieb machte man es so und so. Das wäre auch gut für euch.“ Er will dadurch zeigen, dass er geeignet ist und das Unternehmen mit seinem Wissen voranbringen.
Durch dieses Verhalten kann es bei einem dienstälteren Mitarbeiter zu einer Verletzung des vierten Systemgesetzes „Früher hat Vorrang vor später“ kommen. Er fühlt sich und das Frühere nicht genügend anerkannt. Selbst wenn er auf Sachebene denkt, er hat recht. Typischerweise wird er sich schlecht fühlen, Angst bekommen und wütend werden.
Wird diese Verletzung nicht aufgelöst, kann hier bereits der Beginn für eine Konflikteskalation liegen. Der dienstältere Mitarbeiter wird den neuen Mitarbeiter nicht mögen, ihn ausschließen und schlechtmachen, alles mit dem Ziel, dass der neue Mitarbeiter wieder geht. Der neue Mitarbeiter wird gemobbt.
Mit Hilfe einer Konfliktlösung mit System Empowering oder TeamCoaching kann Mobbing grundlegend aufgelöst werden. Dafür sucht man den Zeitpunkt, an dem es noch gut war. Von dort aus wird die erste kleine Störung gesucht und aufgelöst, danach systematisch alle weiteren Verletzungen.
Nach unserer Erfahrung ist Mobbing ein Konflikt, dessen Ursache nicht auf der Sachebene zu finden ist. Die Anzeichen für Mobbing sind in der Regel Ausschluss, schlecht machen, behindern, verletzen, bloßstellen, Informationen zurückhalten, unterschwellige, versteckte oder offene Aggressionen. Das Ziel ist immer Ausschluss. Die Folgen von Mobbing sind dann Rückzug, Täter- und Opfer-Denken oder Schuld-Denken.
In Betrieben mit Mobbingproblemen sind häufig folgende Themen mitverantwortlich für die Konflikte: unklare Zuständigkeiten, Rollen, Verantwortung, Aufgaben oder Kompetenzen, ungerechte Arbeitsverteilung, Über- und Unterforderung, Schattenhierarchie, widersprüchliche Anweisungen, mangelnder Handlungsspielraum, Kooperationszwänge, Mängel in der Kommunikationsstruktur, tiefgreifende organisatorische Veränderungen, Führungsschwäche, fehlende Anerkennung für die Führungskraft und den Chef.
Sehr häufig sind anfangs kleinere Konflikte und ihre Ursache den Beteiligten entweder nicht bewusst, oder sie sind bewusst, werden aber totgeschwiegen.
Grund ist neben dem fehlenden Wissen, wie man Konflikte löst, eine nicht vorhandene Kultur im Unternehmen in Bezug auf die Einhaltung von Systemgesetzen und das Auflösen von Konflikten.
Wenn im Team Mobbingfälle auftreten, sollte also möglichst schnell gehandelt werden und das Mobbing aufgelöst werden.
Mobbing am Arbeitsplatz auflösen
Vielen ist nicht bewusst, dass Mobbing sich auflösen lässt. Es ist wichtig für das Gesamtsystem Unternehmen, dass Konflikte geklärt werden. Nach unserer Erfahrung besteht sonst die Gefahr, dass die negativen Folgen auch dann noch wirken, wenn die Beteiligten des Mobbings nicht mehr im Unternehmen sind.
Zunächst müssen die Ursachen gefunden werden.
Dann wird ein Systemogramm ausgearbeitet. Das deckt häufig weitere Ursachen wie Schattenhierarchien auf.
Dann wird mit Hilfe eines Zeit/Ursachen-Diagramms der bisherige Konfliktverlauf nachgezeichnet. Wann fing es an?
Es ist wichtig, den ersten Auslöser zu finden. Gab es eine Zeit, in der noch alles in Ordnung war?
Mit Hilfe des PowerCodes werden dann systematisch die einzelnen Systemgesetzverletzungen der jeweils beteiligten Personen aufgelöst.
Wenn es für alle im Team auf Systemgesetzebene gut ist, ist eine anschließende Teamentwicklung sinnvoll.
Ein Praxisbeispiel aus einer Teammediation finden Sie hier: Praxisfall Mediation im Team.
Mobbing auflösen, bevor es das System weiter schädigt
Wenn Mobbing entstanden ist, reicht ein Appell an gutes Verhalten nicht aus, auch nicht, wenn er von Ihnen als Berater, Jurist, Coach oder Mediator kommt. Entscheidend ist, die Dynamik im System sichtbar zu machen und die Verletzungen zu klären, die den Konflikt stabilisieren. Nach unserer Erfahrung gelingt das, wenn Sie mit den Beteiligten zu dem Zeitpunkt zurückgehen, an dem es noch gut war, und von dort aus die erste Störung auflösen. Erst danach tragen Vereinbarungen auf der Sachebene wieder.
- Wenn mehrere Beteiligte feststecken: Mediation und Konfliktlösung im Unternehmen
- Wenn Sie einen Mobbingfall konkret einordnen möchten: Mobbing im Unternehmen klären
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