Coaching-Ausbildungen im Vergleich: Fünf Ansätze und wo sie bei Unternehmern enden

Ein Unternehmer will übergeben, der Nachfolger steht bereit, die Verträge sind entworfen. Trotzdem kommt die Übergabe nicht voran, und jedes Gespräch endet im selben Streit. Sie begleiten ihn als Coach, Berater, Jurist oder Mediator und merken, dass Sie mit Ihrem Handwerkszeug an dieser Stelle nicht weiterkommen.

Die meisten Vergleiche von Coaching-Ausbildungen schauen auf Zertifikate und Preise. Für Sie als Profi zählt eine andere Frage: Wo endet der Ansatz, mit dem Sie arbeiten, und was brauchen Sie, wenn Sie dort angekommen sind?

Dieser Artikel vergleicht die fünf wichtigsten Coaching-Ansätze inhaltlich und zeigt bei jedem, wo seine Stärken liegen und wo er bei Unternehmern an Grenzen kommt.

Inhalt

Bevor Sie vergleichen: Worum geht es im Mandat?

Die wichtigste Frage ist nicht, welches Zertifikat am angesehensten ist. Sondern: Mit welchen Anliegen kommen Unternehmer zu Ihnen, und wo liegt das Problem?

Geht es um die persönliche Veränderung des Unternehmers, brauchen Sie einen Ansatz mit Tiefgang, der nicht nur an der Oberfläche arbeitet. Geht es um Führung und Teams im Unternehmen, brauchen Sie Business-Kompetenz und ein Verständnis für Organisationsdynamik. Geht es um einen Konflikt, etwa zwischen Gesellschaftern oder zwischen Übergeber und Nachfolger, brauchen Sie mehr als Coaching, nämlich Mediationskompetenz. In vielen Mandaten kommt alles zusammen. Dann brauchen Sie einen integrativen Ansatz.

Das Anliegen im Mandat bestimmt, welcher Ansatz trägt. Nicht umgekehrt.

Systemisches Coaching

Grundidee: Menschen werden im Kontext ihrer Systeme betrachtet: Familie, Team, Organisation. Verhalten wird nicht isoliert bewertet, sondern als Ausdruck von Wechselwirkungen im System verstanden.

Typische Methoden: Zirkuläre Fragen, Aufstellungsarbeit, Genogramme, Perspektivwechsel, systemische Hypothesenbildung, Reflecting Teams.

Stärken: Erweitert den Blick über die Einzelperson hinaus. Hilft, Muster und Dynamiken sichtbar zu machen. Sehr gut geeignet für komplexe Beziehungssituationen in Familien und Organisationen.

Grenzen: Der Schwerpunkt liegt darauf, Muster, Rollen und Wechselwirkungen zu erkennen und mit Fragen und Interventionen zu verändern. Geht ein Muster auf eine alte Verletzung zurück, reicht das oft nicht. Im Familienunternehmen sehen Sie dann zum Beispiel, dass sich Senior und Junior immer wieder an derselben Stelle verhaken, kommen aber nicht an das, was darunter liegt. Nach unserer Erfahrung reichen systemische Fragen allein oft nicht aus, wenn emotionale Verletzungen im System Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen. In unserem Artikel Systemische Coaching Ausbildung: Was systemisch wirklich bedeutet gehen wir ausführlich darauf ein.

Typische Anbieter: DGSF- und SG-zertifizierte Institute, Systemisches Zentrum, artop Berlin, diverse Hochschulangebote.

NLP-basiertes Coaching

Grundidee: Neurolinguistisches Programmieren (NLP) geht davon aus, dass unsere Wahrnehmung, Sprache und Verhaltensmuster veränderbar sind. Durch gezielte Techniken können limitierende Überzeugungen gelöst und neue Ressourcen aktiviert werden.

Typische Methoden: Ankertechniken, Reframing, Submodalitäten-Arbeit, Modelling, Timeline-Arbeit, Belief Change, Meta-Modell der Sprache.

Stärken: NLP liefert ein breites Interventionsrepertoire, das schnell wirksame Ergebnisse erzielen kann. Die Arbeit mit inneren Zuständen, Überzeugungen und Verhaltensmustern ist sehr praxisnah und sofort anwendbar.

Grenzen: NLP arbeitet stark auf der individuellen Ebene. Es verändert innere Zustände und Überzeugungen, aber es adressiert nicht die systemischen Ursachen. Im System Empowering gehen wir davon aus, dass sich Gefühle, die aus dem eigenen Denken entstehen, durch anderes Denken verändern lassen. Die Basisgefühle aus einer Verletzung der Systemgesetze lassen sich so nicht auflösen. Wenn das Problem nicht im Kopf Ihres Mandanten liegt, sondern in der Beziehung zwischen ihm und anderen Menschen in seinem System, etwa seinem Mitgesellschafter, stößt NLP allein an Grenzen. Außerdem fehlt in reinen NLP-Ausbildungen die Mediationskompetenz.

Typische Anbieter: NLP-Akademien (DVNLP-zertifiziert), Landsiedel NLP, IN-NLP, diverse private Institute.

Lösungsfokussiertes Coaching

Grundidee: Statt Probleme zu analysieren, wird der Blick konsequent auf Lösungen gerichtet. Die zentrale Frage lautet nicht "Was ist das Problem?", sondern "Was wäre anders, wenn es gelöst wäre?" Der Ansatz geht auf Steve de Shazer und Insoo Kim Berg zurück.

Typische Methoden: Wunderfrage, Skalierungsfragen, Ausnahme-Fragen, Ressourcenfokussierung, Komplimentieren, kleine Schritte.

Stärken: Effizient, positiv, schnell wirksam bei klar umrissenen Anliegen. Sehr gut geeignet für Zielfindung, Motivationsarbeit und Situationen, in denen der Klient einen konkreten nächsten Schritt braucht.

Grenzen: Wenn die Ursache nicht auf der Verhaltens- oder Denkebene liegt, sondern in einer alten Verletzung zwischen den Beteiligten oder in der Biografie, greift der lösungsfokussierte Ansatz zu kurz. Er fragt: "Was willst du stattdessen?" Aber wenn die Antwort lautet "Ich weiß es nicht, weil etwas Altes mich blockiert", braucht es einen Zugang, der an die Ursache geht. Das kann lösungsfokussiertes Coaching allein nicht leisten. Im System Empowering gehen wir bei einer solchen Verletzung deshalb nicht zuerst in die Zukunft, sondern zurück zu dem Zeitpunkt, an dem es zwischen den Beteiligten noch gut war, und lösen sie von dort aus auf.

Business Coaching

Grundidee: Coaching im beruflichen und organisationalen Kontext. Der Fokus liegt auf Führung, Karriereentwicklung, Rollenklarheit, Teamdynamik und Organisationsentwicklung.

Typische Methoden: Je nach Anbieter eine Mischung aus systemischen, lösungsorientierten und behavioristischen Methoden. Oft ergänzt um betriebswirtschaftliche Grundlagen, Organisationspsychologie und Führungstheorien.

Stärken: Direkt anwendbar im Unternehmenskontext. Die Teilnehmer lernen, mit den Herausforderungen von Führungskräften, Teams und Organisationen professionell umzugehen. Oft gute Anschlussfähigkeit an HR-Abteilungen und Unternehmen.

Grenzen: Business Coaching bleibt häufig auf der professionellen Rolle beschränkt. Die persönlichen und familiären Hintergründe, die das Verhalten einer Führungskraft prägen, werden oft ausgeklammert. Aber gerade in Familienunternehmen, bei Unternehmensnachfolgen oder bei Konflikten zwischen Geschäftspartnern ist die Trennung von "beruflich" und "persönlich" künstlich. Was Sie in solchen Mandaten brauchen, ist die Fähigkeit, beide Ebenen zu verbinden.

Typische Anbieter: Haufe Akademie, EBS, Münchner Akademie für Business Coaching, diverse IHK-Angebote.

Integrative Ansätze: Wenn ein Werkzeug nicht reicht

Die Praxis mit Unternehmern zeigt: Die meisten realen Situationen passen nicht sauber in ein einziges theoretisches Modell. Ein Unternehmer, der nicht loslassen kann, braucht nicht nur lösungsfokussierte Fragen. Er braucht systemische Betrachtung (Was passiert in seinem Familiensystem?), NLP-Arbeit (Welche Überzeugungen halten ihn fest?), möglicherweise Mediationskompetenz (Weil der Konflikt zwischen ihm und seinem Nachfolger liegt) und die Arbeit mit Systemgesetzen (Weil die Ursache eine verletzte Anerkennung sein kann, die Jahre zurückliegt).

Integrative Ausbildungen verbinden verschiedene Ansätze. Die Qualität hängt davon ab, ob die Integration schlüssig ist oder ob einfach verschiedene Methoden nebeneinander gestellt werden, ohne sie zu verbinden.

System Empowering: Unser integrativer Ansatz

Am Hanseatischen Institut haben wir mit System Empowering einen Ansatz entwickelt, der systemisches Coaching, NLP, klassische Mediation und die Arbeit mit Systemgesetzen in einem schlüssigen Rahmen verbindet und weiterentwickelt. Das Verbindende ist die Arbeit auf drei Ebenen: Sachebene, Beziehungsebene und Systemgesetzebene.

Was das in der Praxis bedeutet: Sie lernen nicht fünf getrennte Methoden, die Sie je nach Situation auswählen. Sie lernen einen durchgängigen Ansatz, der Ihnen in jedem Mandat zeigt, auf welcher Ebene das Problem liegt und welche Intervention passt.

Und Sie lernen nicht nur, andere zu begleiten. Sie wenden alle Methoden vom ersten Modul an auf sich selbst an. Ihre eigenen Themen, Ängste, Konflikte und Blockaden werden Teil des Lernprozesses. Denn wer seine eigenen Muster nicht kennt, bringt sie nach unserer Erfahrung unbewusst in die Arbeit mit Mandanten ein.

Mehr dazu auf unserer Fortbildungsseite zur System Empowerer Fortbildung.

 

vergleich ausbildungen

 

Was eine Fortbildung für Profis leisten muss

Wenn Sie schon als Coach, Berater, Jurist oder Mediator arbeiten, brauchen Sie keine zweite Grundausbildung. Eine Fortbildung muss dann anderes leisten:

1. Praxisanteil. Mindestens die Hälfte der Zeit sollte für Übungen an echten Anliegen und für Supervision genutzt werden. Methoden kennen Sie schon, was dazukommen muss, ist die Erfahrung, sie in schwierigen Mandaten anzuwenden.

2. Persönliche Entwicklung. Eine Fortbildung, die nur Methoden vermittelt, ohne an der eigenen Person zu arbeiten, produziert Techniker. Wer Unternehmer in Konflikten begleitet, braucht eigene Coaching-Sitzungen und die Arbeit an den eigenen Mustern.

3. Erfahrung der Ausbilder. Wie lange arbeiten die Ausbilder selbst mit Unternehmern? Wie viele Fälle haben sie begleitet? Haben sie eigene Methoden entwickelt oder lehren sie nach Lehrbuch? Die Erfahrung der Ausbilder bestimmt die Tiefe der Fortbildung.

4. Konfliktfähigkeit. In Mandaten mit Unternehmern geht es oft um Konflikte, etwa zwischen Gesellschaftern oder zwischen Übergeber und Nachfolger. Eine Fortbildung, die keine Mediationskompetenz vermittelt, lässt Sie genau in diesen Situationen allein.

5. Methodenbreite statt Methoden-Dogma. Wenn eine Fortbildung andere Ansätze abwertet oder belächelt, ist Vorsicht geboten. Gute Fortbildungen zeigen die Stärken und Grenzen ihres Ansatzes und knüpfen an das an, was Sie schon können.

6. Berufsbegleitend und planbar. Sie haben laufende Mandate. Eine Fortbildung muss sich neben Ihrer Praxis absolvieren lassen, mit festen Terminen, die Sie früh planen können.

7. Nachhaltigkeit. Was passiert nach der Fortbildung? Gibt es Supervision, Intervision oder weiterführende Angebote? Eine gute Fortbildung endet nicht mit dem Zertifikat, sondern begleitet Sie auch danach, wenn Sie in Ihren Mandaten neu arbeiten.

Fazit: Entscheidend ist, wo Ihr Ansatz bei Unternehmern endet

Jeder der fünf Ansätze hat seine Stärken, und jeder kommt an eine Grenze. Bei Unternehmern zeigt sie sich oft dort, wo eine Sachlösung auf dem Tisch liegt und trotzdem nicht umgesetzt wird: Die Übergabe stockt, oder der Gesellschaftervertrag ist unterschrieben, und der Streit geht weiter.

Im System Empowering gehen wir davon aus, dass die Ursache dann meist im Fundament liegt, in einer Verletzung der Systemgesetze. Solange sie nicht aufgelöst ist, trägt keine Sachlösung, so gut sie auch verhandelt ist.

Wenn Sie wissen, wo Ihr eigener Ansatz endet, erkennen Sie diese Stelle im Mandat früher und können entscheiden, was es dort braucht.

Häufige Fragen zu Coaching-Ansätzen und Fortbildung

Welcher Coaching-Ansatz ist der beste?

Es gibt keinen objektiv besten. Jeder Ansatz hat Stärken und kommt an eine Grenze. Entscheidend ist, mit welchen Anliegen Ihre Mandanten kommen und ob Ihr Ansatz bis zur Ursache reicht.

Brauche ich als erfahrener Profi eine zweite Ausbildung?

Eine zweite Grundausbildung brauchen Sie nicht. Sinnvoll ist eine Fortbildung, die an das anknüpft, was Sie schon können, und Sie dort weiterbringt, wo Ihr Ansatz bei Unternehmern an Grenzen kommt. Die System Empowerer Fortbildung enthält zusätzlich den vollständigen Lehrgang nach ZMediatAusbV. Sind Sie schon zertifizierte Mediatorin oder zertifizierter Mediator, zählen die Stunden als Fortbildung nach § 3 ZMediatAusbV.

Wie lange dauert die System Empowerer Fortbildung?

Rund 18 Monate. Die Fortbildung umfasst 15 Module, jeweils donnerstags und freitags (Modul 8 und 15 freitags und samstags) von 09:00 bis 17:00 Uhr in Präsenz in Hamburg, dazu 15 individuelle Coachingstunden.

Kann ich mit der Fortbildung zertifizierter Mediator werden?

Für die Bezeichnung zertifizierter Mediator verlangt die ZMediatAusbV seit 1. März 2024 einen Lehrgang von mindestens 130 Präsenzzeitstunden. Die System Empowerer Fortbildung deckt das ab. Danach folgen fünf supervidierte Mediationen spätestens drei Jahre nach dem Lehrgang. Die Supervision ist nicht im Preis enthalten (350 € netto pro Stunde bei unseren Ausbildern). Sie zählt auch, wenn Sie sie bei einem Supervisor außerhalb des Instituts machen. Ab Ausstellung der Bescheinigung gilt außerdem eine laufende Fortbildungspflicht von 40 Stunden alle vier Jahre. Diese gesetzlichen Vorgaben gelten nur für die Bezeichnung „zertifizierter Mediator“, nicht für den System Empowerer.

Systemisches Coaching oder NLP?

Beide haben Stärken und ergänzen sich. Systemisch ist stark in Musteranalyse, NLP in gezielter Veränderung. Integrative Ansätze wie System Empowering verbinden beides und ergänzen um Mediation und Systemgesetze.

Kann ich als Coach auch Konflikte klären?

Mit reiner Coaching-Ausbildung: Einzelbegleitung ja, strukturierte Konfliktklärung zwischen mehreren Beteiligten nein. Dafür brauchen Sie Mediationskompetenz. Ausbildungen, die beides verbinden, bereiten Sie auf beide Situationen vor.

Sie begleiten Unternehmer und kommen bei einem Mandat an eine Grenze? In der System Empowerer Fortbildung lernen Sie, die Ursache im Fundament zu erkennen und aufzulösen. Der nächste Durchgang startet am 28. Januar 2027.

Beratungsgespräch vereinbaren
Consent Management Platform von Real Cookie Banner