Zu Gast in dieser Podcastfolge ist Armin Weidner aus Hessen. Armin hat am Hanseatischen Institut die Ausbildung zum System Empowerer abgeschlossen. Im Gespräch mit Annika Dulige, Coach, Mediatorin und Ausbilderin am Institut, erzählt er, warum er sich trotz umfangreicher Vorbildung noch einmal für eine Fortbildung entschieden hat und was sich dadurch in seiner Arbeit verändert hat.

Vom Fernsehtechniker zum systemischen Coach

Armin ist gelernter Radio- und Fernsehtechniker. Diese Herkunft prägt bis heute, wie er auf Menschen und Organisationen schaut. Wenn ein Gerät kein Bild und keinen Ton hat, sucht der Techniker im Geflecht der Leiterplatten nach der Unterbrechung oder dem Kurzschluss. Für Armin ist das eine systemische Sicht. Schon 1998 stellte er im Gespräch mit einer Heilpädagogin die These auf, man könne ein soziales System wie ein Blockschaltbild beschreiben. Genau das geschieht, wenn man ein Systemogramm oder ein Genogramm zeichnet: Man macht sichtbar, wie Menschen in einem System miteinander verbunden sind und wo der Fluss unterbrochen ist.

Bevor er ans Hanseatische Institut kam, hatte Armin bereits einen langen Weg hinter sich: eine Mediationsausbildung beim Steinbeis-Institut, die Arbeit als systemischer Coach, zahlreiche Bücher und Methoden. Als Entwickler hat er außerdem eigene Produkte auf den Markt gebracht und hält Patente. Den Weg ans Institut fand er schließlich über eine zufällige Begegnung beim Grillen.

Warum noch einmal eine Fortbildung?

Armin beschreibt System Empowering als „Melting Pot“. NLP, gewaltfreie Kommunikation, klassisches und systemisches Coaching, Mediation und Aufstellungsarbeit fließen darin zusammen. „Das System Empowering ist für mich die Essenz von alldem. Es führt alles zusammen“, sagt er. Bei den Methoden, die er vorher kennengelernt hatte, habe ihm immer etwas gefehlt.

Er greift dafür ein Bild von Hermann Hesse auf: das Leben als Folge von Stufen. Wenn eine Schwelle sehr hoch ist, hören viele den Rat, sie sollen an der Herausforderung wachsen. Armin wusste aber nicht, was ihn daran hinderte. Positiv denken half nicht, die Schwelle lag immer noch da.

Im Gespräch geht es auch um eine Erfahrung, die viele Mediatoren kennen: Ein Konflikt ist auf der Sachebene geregelt, und nach zwei Jahren stehen die Beteiligten wieder an derselben Stelle. Für das Unternehmen mag die Lösung zunächst genügen. Als Mensch bleibt ein unbefriedigendes Gefühl, weil die Ursache nicht gelöst ist und die Gedanken weiter kreisen.

Was Armin methodisch mitgenommen hat

Am Gefühl arbeiten, nicht nur am Verstehen

Viele Ansätze helfen zu verstehen, woher ein Problem kommt. Das Gefühl darunter bleibt jedoch oft bestehen. Annika zitiert dazu einen Satz von Dieter Bischop: „Erkenntnis ist nur der Trostpreis, wenn das Gefühl darunter bleibt.“ Im System Empowering entscheidet das Basisgefühl, nicht das Wissen. Armin kennt das aus seiner Arbeit als Entwickler: Im Rückblick auf ein Projekt, das gescheitert ist, war das Bauchgefühl früh da und hat ihm gezeigt, dass etwas nicht stimmig war.

Eine klare Struktur, ohne ins Leid zu gehen

Besonders überzeugt hat Armin, dass die Arbeit nicht ins Leid führt. Statt stundenlang über das Belastende zu sprechen, beginnt man dort, wo es noch gut war, und löst mit dem PowerCode in einer festen Reihenfolge die erste Verletzung auf. PowerCode und Genea-Methode sind für ihn einfache, klare Werkzeuge, mit denen sich nach seiner Erfahrung ganz unterschiedliche Blockaden lösen lassen.

Annika ergänzt, dass Dieter Bischop diese Struktur über viele Jahre entwickelt hat. Sie gibt Coaches und Mediatoren die Sicherheit, auch tiefe Themen anzugehen, ohne dass der Klient im Leid hängen bleibt. Armin spricht diese Struktur als Techniker an. Er kann sich ihr anvertrauen: Beim kleinsten Hauch eines schlechten Gefühls wird gestoppt, erkannt, wodurch es ausgelöst wurde, und genau dort aufgelöst. Die Folgen müssen nicht noch einmal durchlebt werden.

Glaubenssätze sind wie Familienrezepte

Für die Wirkung über Generationen hat Armin ein anschauliches Bild. Ein gutes Knödelrezept wird von der Urgroßmutter an die Tochter weitergegeben und so fort, bis es Generationen später an einem ganz anderen Ort gekocht wird. Genauso werden Glaubenssätze weitergegeben, die „Lebensrezepte“, die uns so haben werden lassen, wie wir sind. Kaum jemand fragt, woher ein seltsamer Glaubenssatz eigentlich stammt. Die Systemgesetze machen sichtbar, dass viele Lasten nicht auf der eigenen Lebenslinie entstanden sind, sondern im Herkunftssystem.

Stimmigkeit als Kompass

In der Auflösungsarbeit wird erst weitergegangen, wenn sich ein Schritt stimmig anfühlt. Ist etwas unstimmig, wird geklärt, was noch gebraucht wird. Diese Methodik wenden die Teilnehmenden in der Fortbildung zuerst auf sich selbst an. Armin fasst das so zusammen: Man darf „den Kompass der eigenen Stimmigkeit“ entdecken.

Was das für die Arbeit mit Führungskräften bedeutet

Annika berichtet von einer eigenen Erfahrung. Früher fragte sie sich, was sie Führungskräften in oberen Ebenen noch mitgeben könne, die alle gängigen Führungsinstrumente kennen. Inzwischen erlebt sie, wie offen gerade diese Menschen sind. Sie spüren, wie sehr ihr Standing und ihre Führungskraft davon abhängen, welche Ressourcen sie in ihrem „Rucksack“ tragen, und dass sich diese Ressourcen oft über Generationen aufgebaut oder verändert haben.

Online und in Präsenz

Armin arbeitet seit über 15 Jahren mit Videokonferenzen, zunächst im internationalen Geschäft. Trotzdem hatte er anfangs Bedenken, ob die Ausbildung online funktioniert. Heute nennt er das Onlineformat ein Geschenk. Er konnte von überall aus teilnehmen, gerade bei den ersten Modulen und beim Selbstcoaching. Seine Gruppe war über mehrere Länder verteilt, von Österreich bis Uganda. Als sich die Teilnehmenden später in Präsenz trafen, war die Nähe, die online entstanden war, sofort spürbar.

Die Mediationswochenenden fanden in Präsenz statt. Zwei Teilnehmende aus Uganda waren per Bildschirm dabei. Armin erzählt dazu eine Anekdote: In der Mittagspause wartete die Gruppe vor der Tür auf die beiden, bis jemandem auffiel, dass sie ja online teilgenommen hatten und längst zu Hause in ihrer Küche standen. Inzwischen bietet Armin seine eigenen Coachings ebenfalls online an.

Für Annika ist die Vertrauensbasis in der Gruppe unverzichtbar, weil in der Fortbildung mit eigenen Themen gearbeitet wird. Die Systemgesetze gelten auch in der Gruppe. Entsteht eine kleine Irritation oder Verletzung, wird sie sofort spürbar und direkt geklärt. Oft lernt die Gruppe gerade in diesen Momenten mehr als beim Durchgehen einer Methode.

Für wen dieser Erfahrungsbericht interessant ist

Armins Weg zeigt, für wen die Fortbildung gedacht ist: für Menschen, die bereits mit Methoden arbeiten und einen Ansatz suchen, der Konflikte und Blockaden an der Ursache löst, statt sie nur zu moderieren.

Wenn Sie als Berater, Jurist, Coach oder Mediator mit Unternehmern arbeiten und lernen wollen, wie Sie Konflikte an der Ursache lösen, finden Sie alle Informationen zur Fortbildung hier: System Empowerer Fortbildung.

Eine weiterführende Orientierung gibt der Überblicksbeitrag: System Empowering im Beruf: Wege für Berater, Juristen, Coaches und Mediatoren

Sie begleiten Unternehmer und kommen bei einem Mandat an eine Grenze? In der System Empowerer Fortbildung lernen Sie, die Ursache im Fundament zu erkennen und aufzulösen. Der nächste Durchgang startet am 28. Januar 2027.

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