Ein Unternehmer hat in Teamtage und Workshops investiert, und nach ein paar Wochen ist alles wie vorher: dieselben Reibereien, dieselben Lager. Wenn Sie als Teamcoach, Organisationsberater oder Mediator ein solches Team begleiten, liegt das nach unserer Erfahrung selten an der Maßnahme, sondern an ungelösten Verletzungen im Fundament des Teams. Hat ein Teammitglied einen Konflikt, privater oder professioneller Natur, und wird er nicht gelöst, kann diese Verletzung das ganze Team beeinflussen. Darum geht es in der 100. Folge des System Empowering Podcast, in der wir auch erzählen, wie wir unsere Methoden im eigenen Team anwenden.

Ein geklärtes Fundament schafft die Voraussetzung für weitere, stimmige Entwicklung innerhalb des Teams, aber auch für die Entwicklung jedes einzelnen Teammitglieds. Welche Voraussetzungen gebraucht werden, um eine Teamentwicklung oder ein Teamcoaching durchzuführen, welche Ebenen der Entwicklung durchlaufen werden, welche Rolle eine Teamvision spielt und welche Verantwortung die Führungskräfte haben, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Voraussetzung für Teamentwicklung und Teamcoaching

Wie im Einzel- oder Unternehmerpaar-Coaching werden auch in der Teamentwicklung und im Teamcoaching Voraussetzungen für einen erfolgreichen und  stimmigen Prozess gebraucht:

  • Alle betroffenen Parteien wollen den Konflikt lösen,
  • Alle Verursacher sind bekannt und machen mit,
  • Die Parteien sind ausgeglichen kraftvoll genug,
  • Es gibt einen Punkt, an dem es für alle Parteien gut war,
  • Sprachlich richtiges Vorgehen,
  • Offen für das Neue, die „Brille“ kann sich verändern,
  • Option, das Coaching/ die Mediation zu jedem Zeitpunkt zu beenden oder zu unterbrechen, 
  • Die Parteien sind offen bzgl. des Ergebnisses, 
  • Allparteilichkeit des Mediators.

Liegen Verletzungen im Team vor, kann es sein, dass die Voraussetzungen nicht erfüllt werden können. Dann geht es darum, diese Verletzungen abzuarbeiten. 

Wie eine Teammediation aussehen kann, haben wir hier zusammengefasst.

 

Die sieben Teamentwicklungsebenen

 

Es gibt viele verschiedene Ursachen für Konflikte innerhalb eines Teams. Es gibt mehrere Ebenen, an denen man ansetzen kann, um vorhandene Konflikte zu lösen. Im System Empowering arbeiten wir mit sieben Ebenen der Veränderung, von oben nach unten: Umgebung, Verhalten, Fähigkeiten, Überzeugungen/Werte, Identität, Vision/Sinn und als Fundament die Systemgesetze. Hier eine kleine Übersicht: 

Ebenen der Veränderung

Auf allen Ebenen kann eine Veränderung oder eine Entwicklung ansetzen. Im System Empowering gilt der Grundsatz: je tiefer die Ebene liegt, desto grundlegender die Veränderung. Wichtig zu wissen ist, dass eine Veränderung auf einer der höheren Ebenen nicht unbedingt eine Veränderung auf einer der tieferen Ebenen verursacht. Ist jedoch das Fundament (Systemgesetzebene) rissig, beeinflusst es alle darüberliegenden Ebenen. 

 

Teamvision: Treiber der Motivation 

 

Ein essenziell wichtiger Baustein für ein erfolgreiches und konfliktfreies Team ist die Teamvision. Sie ist die Ebene direkt über unserem Fundament (Systemgesetzebene). Bevor man als Unternehmen eine Teamvision erstellen kann oder einem neuen Mitarbeiter seine Teamvision vorstellt, sollten alle Teammitglieder ihre persönliche Vision kennen. Falls die persönliche Vision der Team- oder Unternehmensvision widerspricht, sollte man das aufarbeiten. Das bedeutet nicht unbedingt, dass man seine persönliche oder die Teamvision ändern muss. Es kann ein Hinweis darauf sein, dass die Person eventuell nicht zum Team passt. Verfolgt das Team eine andere Vision als die einzelne Person, können auf beiden Seiten Konflikte und Verletzungen entstehen.

Die persönliche Vision der einzelnen Mitglieder sollte mit der Unternehmensvision zusammenpassen. Dann kann ein Gefühl der Zugehörigkeit entstehen. 

Um eine stimmige Team- und Unternehmensvision zu schaffen, braucht es ausgeglichen kraftvolle Führungskräfte. 

Als Führungskraft Vorbild sein

 

Führungskräfte sind einer der wichtigsten Keyplayer, wenn es um die Nachhaltigkeit von positiven Coachingergebnissen geht. Dabei geht es nicht nur darum, dass ihre Mitarbeiter von den Vorteilen einer Teamentwicklung oder eines Teamcoachings überzeugt sind, sondern auch darum, dass sie selbst es sind. Diese Überzeugung muss authentisch sein. Mitarbeiter spüren, wenn ihre Führungskraft von etwas nicht überzeugt ist. 

Unsere Erfahrung zeigt, dass Führungskräfte nicht selten, bevor die Arbeit mit dem Team starten kann, selber ins Coaching gehen müssen. Das liegt daran, dass auch Themen, die nicht direkt mit dem Team oder dem Unternehmen zu tun haben, den Prozess mit dem Team beeinflussen können. Befindet sich eine Führungskraft, beispielsweise, zum Zeitpunkt der Teamentwicklung in einem Scheidungsprozess mit dem Ex-Partner, dann kann dieses Thema der Grund sein, warum die Führungskraft keine Energie in den Teamprozess stecken kann. Ist das Thema gelöst, dann kann die Energie frei ins Team fließen.

Für Sie als Teamcoach, Organisationsberater oder Mediator heißt das: Bevor Sie mit einem Team an Vision oder Abläufen arbeiten, lohnt der Blick auf das Fundament. Nach unserer Erfahrung bleibt eine Teamentwicklung nur dann nachhaltig, wenn die Verletzungen im Team aufgelöst sind und die Führungskraft ausgeglichen kraftvoll genug ist, um Vorbild zu sein. Wie wir das im Hanseatischen Institut selbst handhaben und leben, erklären wir in dieser Podcastfolge. 

Sie begleiten Unternehmer und kommen bei einem Mandat an eine Grenze? In der System Empowerer Fortbildung lernen Sie, die Ursache im Fundament zu erkennen und aufzulösen. Der nächste Durchgang startet am 28. Januar 2027.

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