Wie treffen Unternehmer Entscheidungen? Gibt es „richtige“ oder „falsche“ Entscheidungen?

Ein Unternehmer weiß seit Langem, dass er übergeben will. Der Nachfolger steht bereit, die Zahlen sind geprüft, und trotzdem fällt die Entscheidung nicht. Wenn Sie als Berater, Jurist, Coach oder Mediator Unternehmer begleiten, kennen Sie die verschiedenen Formen, in denen Entscheidungen hängen bleiben:

  • Ihr Mandant hat ein Ziel, etwa eine Investition oder eine neue Struktur, und steuert euphorisch darauf zu. Nach einer Weile geht ihm die Puste aus, und die Zielerreichung rückt wieder in die Ferne.
  • Oder er wägt lange ab, kreist im Kopfkino und bleibt unsicher, ob er den einen oder den anderen Weg gehen soll, zum Beispiel bei der Frage, ob er an die Tochter oder an einen externen Käufer übergibt.
  • Und dann gibt es natürlich auch noch Entscheidungen, die man später bereut. Eine Umstrukturierung wird durchgezogen, und im Nachhinein sagt der Unternehmer: Hätte ich doch auf mein Bauchgefühl gehört, dann wäre uns viel Zeit und Leid erspart geblieben.
  • Aber zum Glück gibt es auch das: eine Idee, die sich so stimmig anfühlt, dass der Unternehmer kaum überlegt, im Flow ist und ohne innere und äußere Widerstände handelt. Ein Zustand, den sich jeder wünscht.

Ziele und Entscheidungen sind höchst individuell, somit gibt es für uns kein „richtig“ oder „falsch“. Es geht darum, das System des Unternehmers daraufhin zu überprüfen, ob die angestrebte Veränderung zu ihm und seinem Unternehmen passt oder ob es zu große negative Auswirkungen gibt.

Annika und Felix stellen im Podcast dar, wie wir uns bei der Entscheidungsfindung typischerweise verhalten und welche Schritte es gibt, um eine Veränderung zu erreichen, die uns nachhaltig zufrieden macht.

Wie kann es sein, dass auf dem Weg zu einem positiven Ziel trotzdem viel schiefgehen kann? 

Unsere Erfahrung ist: Ein Ziel kann sachlich positiv bewertet werden und sinnvoll sein, dennoch geht die Zielerreichung mit einer Veränderung einher.

Unsere Praxis zeigt, dass eine Veränderung oder Zielerreichung immer auch Risiken, Nachteile oder negative Konsequenzen hat. Wenn diese negativen Auswirkungen nicht berücksichtigt werden, zeigt sich das durch Stress, Konflikte, Energieverlust oder Ereignisse, die wie Bremsen wirken: Die typischen Stolpersteine.

Deshalb ist es im Coaching, in der Beratung und im Changemanagement wichtig, Mandanten darin zu unterstützen, die möglichen negativen Auswirkungen aufzudecken.

Immer im Blick: Welche negativen Auswirkungen, Nachteile oder Risiken können eintreten, wenn das Ziel erreicht ist?

Oft wird diese Frage nicht gestellt, weil der Unternehmer und manchmal auch sein Berater unbewusst Angst haben, dadurch die Energie für das Ziel und die Hin-zu-Motivation zu verlieren.

Die Nachteile können die Vorteile überwiegen. Wenn der Preis, den der Unternehmer zahlt, also größer ist als die Vorteile, kann es sinnvoll sein, vom Ziel Abstand zu nehmen.

Die übliche Preisfrage und der Preis der Preisfrage

Sind die Nachteile aufgedeckt, so wird üblicherweise die Preisfrage gestellt. Sind das Ziel und seine Vorteile wichtiger? Dann muss man mit den Nachteilen und Risiken leben, die sich einstellen werden.

Überwiegen die Nachteile und Risiken, sodass das Ziel verworfen wird, muss der Unternehmer auf die Vorteile des Ziels verzichten und hängt weiterhin in den Nachteilen der Gegenwart fest. Bei der Nachfolge heißt das zum Beispiel: Er behält die Kontrolle, aber auch die Last, und der Nachfolger wartet weiter.

Egal, wie die Preisfrage beantwortet wird: Es wird immer ein Preis bezahlt, der unangenehm ist.

SystemCheck

Die vier Schritte zur stimmigen Entscheidung: 

Der SystemCheck

Wir stellen Ihnen nun die vier Schritte vor, mit denen Ihr Mandant die negativen Auswirkungen eines Ziels so integriert, dass er den Preis der Preisfrage nicht mehr zahlt.

Unsere Erfahrung zeigt, dass der gegenwärtige Zustand immer etwas sicherstellt und es nicht nur Nachteile gibt, sondern auch Vorteile.

Daher wird zuerst angeschaut, was der gegenwärtige Zustand sicherstellt, was also gut ist an dem, was der Unternehmer jetzt hat. Im zweiten Schritt wird geklärt, wie diese Vorteile in der Zukunft erhalten bleiben können.

1. Was ist gut an dem, was wir jetzt haben? Welche Vorteile gibt es in der Gegenwart?

2. Was muss getan, gelernt, verändert werden, damit die Vorteile aus der Gegenwart erhalten bleiben?

Sind die ersten beiden Fragen geklärt, geht es zu den Punkten 3 und 4:

3. Was sind negative Konsequenzen, Risiken oder Nachteile der Zielerreichung?

Auf welche Personen hat das Ziel eine Auswirkung? Was verändert sich im Unternehmen und im Leben des Unternehmers? Was sagen Familie, Mitgesellschafter, Mitarbeiter oder der Nachfolger dazu? Welchen Einfluss hat der Zustand der Zielerreichung oder der Weg dorthin auf seine Ressourcen wie Zeit, Belastung, Finanzen, Tagesstruktur?

Lassen Sie Ihren Mandanten sein System so groß wie möglich machen und die Zielerreichung in allen Kontexten betrachten, im Unternehmen wie in der Familie.

Sind die negativen Konsequenzen aufgedeckt, kommt es zum entscheidenden vierten Schritt:

4. Was muss getan, gelernt, verändert werden, damit die negativen Konsequenzen, die Nachteile oder die Risiken nicht eintreten?

Nach unserer Erfahrung gibt es immer Antworten auf die letzte Frage.

Nehmen Sie sich mit Ihrem Mandanten Zeit und Raum, damit die wirklich wichtigen Informationen auftauchen.

Die ersten Impulse sind oft noch oberflächlich. Je mehr Zeit Sie sich nehmen, desto wertvoller werden die Antworten.

Anschließend geht es ans Handeln. Hilfreich ist ein konkreter Aktionsplan, damit die Aufgaben, die sich gezeigt haben, wirklich angegangen werden. 

Wenn die Antworten und die damit verbundenen Schritte umgesetzt werden, stellt sich die typische Preisfrage nicht mehr.  Das Ziel kann umso besser erreicht werden. Einige Antworten können darauf hinweisen, dass erst einmal „Unterziele“ anstehen, das ursprüngliche Ziel etwas angepasst wird oder der Weg zum Ziel sich verändert.

Mit dem SystemCheck werden die Systemgesetze beachtet

Wichtige Folge der vier Fragen beim SystemCheck ist, dass die Systemgesetze eingehalten werden, also die Grundbedürfnisse und Ordnungen in jedem menschlichen System wie Zugehörigkeit, Anerkennung (Wertschätzung, Respekt), Früher hat Vorrang vor später und andere. Nach unserer Erfahrung scheitern Veränderungen häufig daran, dass sich die Früheren nicht anerkannt und mitgenommen fühlen und ihre Erfahrung beim Changeprozess nicht genutzt wird. Bei einer Nachfolge sind das zum Beispiel der Übergeber und die langjährigen Mitarbeiter, bei einer Umstrukturierung die, die das bisherige System aufgebaut haben. Werden Risiken oder Bedenken formuliert, wird dies oft als Nörgelei betrachtet, weil es die Vision des angestrebten Ziels in Frage stellt.

Im System Empowering gehen wir davon aus, dass ein Ziel nur dann von allen im System mitgetragen werden kann, wenn alle beteiligt werden und jede Emotion und auch Einwände erlaubt sind.

Die Kraft des Visionärs wird gebraucht, um Veränderungen anzustoßen und die nötige Energie dafür bereitzustellen. Langfristig werden Kritiker und Realisten aber ebenso gebraucht, um frühzeitig Risiken und Bremsen aufzudecken und sinnvolle Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Erst durch diese Integration können sich die Vorteile des Ziels mit voller Kraft entfalten. Als Berater oder Coach können Sie die Stimmen der Kritiker und Realisten in die Entscheidung holen, wenn der Unternehmer selbst vor allem Visionär ist.

Durch die vorgestellten Fragen sind alle im Boot und können ihre Erfahrung und Expertise einbringen. So kann das Gefühl von Zugehörigkeit bleiben und Anerkennung ankommen. Nach unserer Erfahrung können sich Familien, Unternehmen und Teams nur auf dieser Basis gemeinsam weiterentwickeln, ohne dass es zu Konflikten oder Kündigungen kommt.

Fazit

Wenn ein Unternehmer eine Übergabe oder eine Umstrukturierung nicht entscheidet, liegt das nach unserer Erfahrung selten an fehlenden Zahlen. Oft hält ihn das Gute an dem, was er jetzt hat, oder eine Folge, die noch niemand ausgesprochen hat.

Mit den vier Fragen des SystemChecks holen Sie beides auf den Tisch. Das kostet erst einmal etwas Zeit. Dafür muss sich Ihr Mandant danach nicht mehr mit Bremsen auseinandersetzen, die er vorher nicht gesehen hat.

Eine Entscheidung, die so vorbereitet ist, hat gute Chancen, auch von denen mitgetragen zu werden, die vorher gebremst haben.

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