Im Mandat sehen Sie zuerst das Dach: Zahlen, Verträge, Zuständigkeiten. Wenn sich ein Streit zwischen Gesellschaftern oder in einer Unternehmerfamilie trotz guter Vorschläge nicht löst, liegt die Ursache nach unserer Erfahrung tiefer. Das Kommunikationsmodell Bischop zeigt, wo.

Das Kommunikationsmodell Bischop ist eine Erweiterung des Eisbergmodells. Zu den beiden Kommunikationsebenen, Sach- und Beziehungsebene (vgl. Watzlawick: Kommunikationstheorie), hat Dr. Dieter Bischop eine dritte hinzugefügt: die Systemgesetzebene.

Kommunikationsmodell Bischop als Hausmodell

Die Systemgesetzebene als Fundament

Sie ist das Fundament im Kommunikationsmodell Bischop. Diese Ebene entscheidet darüber, ob die Beziehungs- und die Sachebene funktionieren und stabil sein können. Es ist wie bei einem Haus, das ein solides Fundament braucht, damit die Stockwerke darauf stehen können.

Für die Arbeit an Konflikten im Coaching, in der Konfliktlösung, in der Führung und in der Unternehmensnachfolge ist diese dritte Ebene sehr hilfreich. Die meisten Menschen wollen sich in einem Konflikt nicht die Beziehungsebene anschauen. Viele haben Angst davor, und es ist normalerweise auch gar nicht hilfreich, denn die Ursache liegt im Fundament.

Genauso wenig ist es sinnvoll, ein schadhaftes Dach zu reparieren, bevor die Ursache dafür aufgedeckt ist. Die Ursache für Konflikte liegt nach unserer Erfahrung in den meisten Fällen, die wir sehen, auf der Systemgesetzebene, also im Fundament.

Kommunikationsmodell Bischop: die drei Lösungs- und Kommunikationsebenen

Die drei Lösungs- und Kommunikationsebenen im Kommunikationsmodell Bischop

Pfeilrichtungen und Wirkungen

Von der Systemgesetzebene zur Sachebene: Die dicken Pfeile links in der Abbildung zeigen die Wirkung. Verletzungen auf der Systemgesetzebene wirken sich negativ auf die Beziehungsebene aus und erschweren die Zusammenarbeit auf der Sachebene. Unlösbare Konflikte zeigen sich dann auf der Sachebene, und die Positionen sind verhärtet. Umgekehrt können von der Sachebene auch wieder Verletzungen oder negative Auswirkungen auf die Beziehungs- und Systemgesetzebene ausgehen. Das zeigen die dünnen Pfeile von oben nach unten.

Von der positiven Absicht zur negativen Auswirkung: Rechts in der Abbildung steht eine Erklärung dafür, wieso es zu Systemgesetzverletzungen kommt, ohne dass sie beabsichtigt waren. Viele Menschen, Ehepaare ebenso wie Geschäftspartner, fragen sich, warum sich ihre vorher gute Beziehung verschlechtert hat. Früher konnten sie ihre Konflikte noch selbst lösen, da stimmte die Beziehung noch.

Es ist sinnvoll, davon auszugehen, dass jeder Mensch in jedem Moment das Beste für sich tut, was ihm gerade möglich ist. In seinem Handeln, das sich oft, aber nicht nur, auf der Sachebene zeigt, hat er also eine positive Absicht für sich selbst.

Daneben gibt es die positive Absicht für das Gegenüber, also das Beste für den anderen zu wollen.

Werden diese positiven Absichten, ob für sich selbst oder für den anderen, nicht ausgesprochen, kommt es oft zu negativen Auswirkungen auf der Systemgesetzebene. Meistens ist dem Verursacher, also dem mit der positiven Absicht, die Verletzung nicht bewusst.

Zwei Beispiele verdeutlichen das.

Beispiel 1: Im Straßenverkehr drängelt sich jemand vor

Sachebene, positive Absicht: Der Vordrängler tut für sich das Beste, weil er zum Beispiel schnell zu einem Termin muss und schon spät dran ist. Normalerweise hat er nicht die Absicht, dass sich der Autofahrer, vor den er sich gedrängelt hat, schlecht fühlt.

Systemgesetzebene, negative Auswirkung: Der Autofahrer, vor den sich jemand gedrängelt hat, fühlt sich nicht respektiert, fühlt sich schlecht und wird wütend. Hebt der Vordrängler nicht die Hand als Zeichen der Anerkennung, verschlechtern sich Beziehungs- und Sachebene. Der verletzte Autofahrer gibt vielleicht Gas, drängelt sich selbst vor und verletzt damit den ersten Vordrängler. So beginnt die Schleife der Verletzungen, die immer weiter eskalieren kann.

Lösung: Der Vordrängler kennt die mögliche Wirkung beim anderen, denn auch vor ihn hat sich schon einmal jemand gedrängelt. Er kennt also das Basisgefühl, sich schlecht zu fühlen, und den Ärger und die Wut.

Deshalb hebt er sofort und mit der richtigen inneren Haltung die Hand. Sie bedeutet: „Es war nicht meine Absicht, es tut mir leid, falls du dich schlecht fühlst. Ich übernehme dafür die Verantwortung, das heißt, ich nehme auch Wut von dir.“ Damit erkennt er die Systemgesetze und die Verletzung an, und normalerweise lösen sich das verletzte Gefühl und die Wut auf, die Situation deeskaliert. Das geschieht, ohne dass der andere Autofahrer die positive Absicht, also den Grund für das Vordrängeln, kennt. Es ist nicht nötig, die positiven Absichten zu kennen. Nötig ist, dass die Verletzung gesehen und anerkannt wird.

Teilt der Vordrängler dagegen seine Gründe mit, etwa dass er schnell zu einem ganz wichtigen Termin muss, wird die Auflösung oft wieder rückgängig gemacht. Der andere sagt sich vielleicht: „Als wenn ich nicht auch schnell nach Hause oder zu einem Termin will.“

Die Erklärung der positiven Absicht kommt eher als Rechtfertigung an und hilft nicht beim Auflösen von Verletzungen auf der Systemgesetzebene.

Im Straßenverkehr kann man nicht fragen: „Warum hast du das gemacht?“ Man holt sich also auch keine Erklärung oder Rechtfertigung ab. Deshalb lösen sich solche Systemgesetzverletzungen allein durch das Handheben wieder auf.

Beispiel 2: „Ich wollte nie einen Mann aus dem Osten, der bei der Marine ist“

Bei der Konfliktlösung mit einem Ehepaar mit Kind stellte sich heraus, dass die erste Verletzung in der zweiten Woche nach dem Kennenlernen entstanden war. Die Frau hatte zu ihrem Partner gesagt: „Ich wollte nie einen Mann, der aus dem Osten kommt und bei der Marine ist.“ Ihr Partner kam aus dem Osten und war damals bei der Marine angestellt.

Sachebene, positive Absicht: Die Frau wollte ihm deutlich machen, dass er trotzdem der Auserwählte ist und wie sehr sie ihn liebt.

Systemgesetzebene, negative Auswirkung: Der Mann verstand die positive Absicht damals nicht und fühlte sich verletzt. „Will sie mich wirklich? Wieso sagt sie so etwas?“, dachte er. Durch seine rosarote Brille hatte er auch nicht den Mut, ihr diese Fragen zu stellen. Die Systemgesetzverletzung wurde deshalb nicht sofort geklärt und wirkte weiter.

Am nächsten Tag fuhren beide zusammen Auto, und er sprach eine Stunde lang nicht mit ihr. Das war für die Frau die erste Verletzung.

So begann die Schleife der Verletzungen, die immer weiter eskalierte.

Lösung: Der Mann konnte seiner Partnerin sagen: „Deine Aussage, keinen aus dem Osten und bei der Marine, hat bei mir Bauchschmerzen ausgelöst.“ Die Frau war darüber erschrocken, denn sie hatte es mit ihrer Aussage ja gut gemeint. Sie konnte sein Leid anerkennen, und dadurch löste sich seine erste Verletzung auf.

Daraufhin konnten sich beide vorstellen, dass er bei der Autofahrt nicht eine Stunde geschwiegen, sondern sich wie in den Tagen davor mit ihr unterhalten hätte. Er konnte dann ihre verletzten Gefühle anerkennen, die ihm leid taten.

So gingen wir jeweils mit dem neuen Bild, dass die nächste Systemgesetzverletzung nicht passiert, sondern es gut gewesen wäre, zur nächsten Systemgesetzverletzung, meistens abwechselnd. So konnten alle größeren Verletzungen der letzten sieben Jahre aufgelöst werden.

Kommunikationsmodell Bischop: positive Absicht und negative Auswirkung

Positive Absicht für sich selbst und für das Gegenüber

Immer wieder taucht die Frage auf, was eine positive Absicht ist und worin der Unterschied zwischen der eigenen und der für das Gegenüber liegt.

Im ersten Beispiel gibt es nur eine positive Absicht des Vordränglers. Er will schnell zum Termin. Für den anderen Autofahrer hat er keine positive Absicht.

Im zweiten Beispiel gibt es zwei positive Absichten. Die Frau macht die Aussage, um ihrem Partner zu zeigen, wie sehr sie ihn liebt. Für sich hat sie die positive Absicht, dass die Liebe wächst und sie ein Paar bleiben. Gleichzeitig hat sie für ihren Partner die positive Absicht, dass er sich sicher fühlen soll und dass die Liebe wächst und sie ein Paar bleiben.

Was das für Ihr Mandat bedeutet

  • Woran Sie es erkennen: Ein Sachkonflikt bleibt trotz guter Vorschläge unlösbar, und die Positionen sind verhärtet. Nach unserer Erfahrung liegt die Ursache dann im Fundament, und neue Zahlen oder Vertragsentwürfe reparieren nur das Dach.
  • Die Beteiligten müssen nicht über ihre Beziehung sprechen. Die meisten wollen das im Konflikt nicht, und die Ursache liegt darunter.
  • Fragen Sie bei einer Verletzung nicht nach dem Warum. Die Erklärung der positiven Absicht kommt als Rechtfertigung an und löst die Verletzung nicht. Nötig ist, dass die Verletzung gesehen und anerkannt wird.
  • Hat sich über Jahre eine Schleife von Verletzungen aufgebaut, wie im zweiten Beispiel, wird sie von der ersten Verletzung an aufgelöst. Dafür können Sie uns im Mandat hinzuziehen.

Mehr zum Kommunikationsmodell Bischop steht im Buch von Dr. Dieter Bischop „Systemische Mediation“ (Verlag Ludwig, Kiel 2016).

Sie begleiten Unternehmer und kommen bei einem Mandat an eine Grenze? In der System Empowerer Fortbildung lernen Sie, die Ursache im Fundament zu erkennen und aufzulösen. Der nächste Durchgang startet am 28. Januar 2027.

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