Sie begleiten als Mediator oder Berater einen Konflikt zwischen Gesellschaftern oder in einer Unternehmerfamilie, und das Verfahren stockt. Nach unserer Erfahrung liegt es oft daran, dass es zwischen den Beteiligten nie gut war oder eine Seite zu schwach ist, um ihren Teil der Klärung zu tragen. Coaching in der Konfliktlösung mit System Empowering (früher: systemische Mediation) stellt diese fehlenden Voraussetzungen her, damit die Mediation weitergehen kann. Außerdem hilft Coaching dem Mediator selbst, die eigene Befangenheit zu erkennen.

 

Wozu wird Coaching in der Konfliktlösung mit System Empowering genutzt?

  • Herstellung der beiden Voraussetzungen „Es war mal gut/neutral“ und „Beide sind ausgeglichen kraftvoll genug zum Zeitpunkt der ersten Verletzung“ bei den Konfliktparteien
  • Führungskräfte-Coaching kann zur Mediation führen
  • Persönlichkeitsentwicklung des Mediators in der System Empowerer Fortbildung und danach

In der Konfliktlösung mit System Empowering lösen wir die vorhandenen Systemgesetzverletzungen zwischen den Beteiligten auf. Dazu werden fünf Voraussetzungen gebraucht:

  • Die verursachenden Personen müssen bekannt sein
  • Es war mal gut genug zwischen den Personen
  • Die Personen haben zum Zeitpunkt der ersten Systemgesetzverletzung noch genügend Power (keine großen abgedeckelten Gefühle)
  • Es wird sprachlich richtig die Verletzung angesprochen und aufgelöst
  • Das Denken / das Denkgefühl (Brille) kann verändert werden

Es war mal gut genug

Eine Grundvoraussetzung für die Konfliktlösung mit System Empowering, also für die Auflösung von Systemgesetzverletzungen (Verletzungen von Grundbedürfnissen wie Zugehörigkeit, Anerkennung oder Ausgleich), ist der Zustand der Beteiligten: Es war mal gut oder neutral. Wie war es beim Kennenlernen?
Was ist, wenn es beim ersten Kontakt schon nicht gut war? Was lässt sich dann machen? Wie kann die Voraussetzung dennoch erreicht werden? Oft wird dazu die Mediation unterbrochen und im Coaching werden die Ursachen aufgedeckt und aufgelöst. Dabei werden beide Seiten in Einzelarbeit vorbereitet, nicht nur eine. Die Einzelarbeit findet nur statt, wenn beide Seiten zu Beginn zustimmen (§ 2 Abs. 3 MediationsG).

Beide haben genügend Power

Die weitere Voraussetzung ist, dass beide ausgeglichen kraftvoll genug sind, also genügend Power haben: genügend Schwertseite und genügend Herzseite, weder zu hart noch zu weich und ohne große abgedeckelte Gefühle.

Ist eine Seite nicht ausgeglichen kraftvoll genug, kann auch das der Grund sein, warum es nie gut war. Nach unserer Erfahrung gibt es dafür zwei Ursachen. Entweder kommt die Person auf einen vergifteten Platz (eine Stelle, an der ungelöste Konflikte aus der Zeit vor ihr nachwirken) oder bringt selbst einen aus einem anderen System mit. Oder ihr fehlt Kraft, weil bei ihren Vorfahren noch Systemgesetzverletzungen ungelöst sind. Dann lösen wir zuerst diese Verletzungen mit der Genea-Methode auf. Danach erlebt die Person mit der Empowering-Methode ihre neuen Kräfte, Fähigkeiten und Verhaltensweisen in der eigenen Lebensgeschichte.

Wäre sie von Anfang an ausgeglichen kraftvoll genug gewesen, wäre es beim Kennenlernen höchstwahrscheinlich gut gewesen. Typisch ist dann eine Aussage wie: „Ich hätte mich selbstsicherer verhalten. Weil ich nicht stark genug war, war ich arrogant oder unsicher. Das hat auf den anderen gewirkt. Mit den neuen Kräften wäre es dazu nicht gekommen.“ Verursacher dafür, dass es am Anfang nicht gut war, sind dann die Person selbst und ihre Vorfahren, die nicht ausgeglichen kraftvoll genug waren.

Vorgehen

Konfliktlösung mit System Empowering: Vorgehen für Situationen, in denen einer nicht ausgeglichen stark genug war (die Frage gilt für beide Konfliktpartner):

1. Die Systemgesetzverletzungen bei den Vorfahren des Konfliktpartners mit der Genea-Methode auflösen, dann seine eigenen Verletzungen mit dem PowerCode, danach das Empowering (Neuprägung). Die Reihenfolge ergibt sich aus dem Fall. Ist der Konfliktpartner dann ausgeglichen kraftvoll genug, beide zusammenbringen.

2. Der Konfliktpartner spricht über seine neue Stärke und was er aufgelöst hat und wie er sich beim Kennenlernen verhalten hätte.

3. Frage an beide: „Wenn Sie sich nun das Neue vorstellen (die neue Stärke sehen und das Neue hören), wie wäre dann Ihr erstes Kennenlernen gewesen? Was verändert sich? Könnte es dann gut gewesen sein?“

Wird in einer Konfliktlösung mit System Empowering festgestellt, dass die Voraussetzung „Ausgeglichen kraftvoll/stark genug“ nicht gegeben ist, so würde an dieser Stelle die Mediation enden. Damit das jedoch nicht geschieht, stellen wir im Überblick das von Dr. Dieter Bischop entwickelte Vorgehen im Coaching vor, damit der Konfliktpartner stark genug wird. Ausführlich werden das Vorgehen und die Methoden im Buch von Dr. Dieter Bischop „Persönlichkeitsentwicklung mit System“ beschrieben.

 

Genea- und Empowering-Coaching in der Mediation

 

Systemgesetzverletzungen bei den Vorfahren, oft Kriegserlebnisse, können dazu führen, dass eine Konfliktpartei nicht stark genug ist. Mit der Genea-Methode dehnen wir die Auflösung von Systemgesetzverletzungen auf die Vorfahren aus, auch wenn Großeltern oder Urgroßeltern nicht mehr leben. Das Vorgehen mit den fünf Voraussetzungen wird dabei auf die Zeitlinie der Vorfahren übertragen: Der Verursacher sieht innerlich das Leid und nimmt die Wut. Dadurch löst sich die Systemgesetzverletzung, und ihre Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen können sich auflösen.

Systemische Mediation

Ein Beispiel aus der Praxis: Hat ein Vorfahre Angst erlebt, verhungern zu müssen, und wurde diese Angst nie aufgelöst, kann ein Nachfahre sie unbewusst übernehmen, auch ohne sie selbst miterlebt zu haben. Sie zeigt sich dann etwa als Existenzangst oder als fehlendes Selbstvertrauen. Methoden, die nur die eigene Lebensgeschichte betrachten, finden dafür kein prägendes Erlebnis, denn es liegt bei den Vorfahren.

Ist die Konfliktpartei mit der Genea-Methode stark genug geworden, lassen sich ihre eigenen Verletzungen im Beruf wie im Privatleben mit dem PowerCode auflösen. Mit der Empowering-Methode erlebt sie anschließend ihre neuen Kräfte, Fähigkeiten und Verhaltensweisen in der eigenen Lebensgeschichte. Wie die Genea-Methode im Einzelnen abläuft, beschreiben wir auf der Seite Genea-Methode und ausführlich im Buch „Persönlichkeitsentwicklung mit System“.

Ausgeglichen kraftvoll zu sein ist auch die Voraussetzung dafür, dass das fünfte Systemgesetz „Höhere Verantwortung/höherer Einsatz hat Vorrang“ gelebt werden kann: Wer als Geschäftsführer, Gesellschafter oder Elternteil Verantwortung übernehmen soll, muss diese Rolle auch innerlich ausfüllen können.

Führungskräfte-Coaching kann zur Mediation führen

Nicht jede Konfliktlösung mit System Empowering beginnt damit, dass es Konfliktparteien gibt, die einen Konflikt lösen wollen. Es kommt oft vor, dass ein Coaching für eine Führungskraft diese so stärkt und entwickelt, dass die Führungskraft erkennt, an welcher Stelle sie Systemgesetzverletzungen erzeugt hat bzw. sich verletzen ließ. Diese werden dann in einer Konfliktlösung mit System Empowering wie oben beschrieben aufgelöst.

Beispiel: Ein Geschäftsführer konnte kaum delegieren, weil er aus Perfektionismus vieles selbst machte, und geriet darüber immer wieder in Konflikte mit seinen Mitarbeitern. Nachdem im Coaching geklärt war, woher dieser Anspruch kam, konnte er abgeben, und die Konflikte ließen sich lösen, weil er das Leid seiner Mitarbeiter sehen konnte und sich anders verhielt.

 

Wenn die erste Verletzung aus fehlender Kraft entstand

War die Ursache für die erste Verletzung, dass eine Konfliktpartei nicht ausgeglichen kraftvoll genug war, setzen wir einen Schritt davor an: Mit der Genea-Methode werden ihre Kräfte aktiviert, mit der Empowering-Methode erlebt sie ihre neuen Fähigkeiten und Verhaltensweisen in der eigenen Lebensgeschichte. Oft kommen dann Aussagen wie: „Ich hätte viel früher Grenzen gesetzt. Weil ich nicht stark genug war, habe ich zu lange gewartet und am Ende die Keule herausgeholt. Das hat den anderen verletzt. Mit den neuen Kräften wäre es dazu nicht gekommen.“

Verursacher der ersten Verletzung sind dann die Konfliktpartei selbst und ihre Vorfahren, die nicht ausgeglichen kraftvoll genug waren. Dieses Leid wird innerlich von den Vorfahren und den Verursachern gesehen, und sie nehmen die Wut dafür. So lässt sich ein Teil der Wut, die bisher ganz beim Konfliktpartner ankam, auf die eigenen Vorfahren umlenken. Bekommt der Konfliktpartner nicht mehr alle Wut ab und wird er nicht mehr für alles verantwortlich gemacht, wird er oft stärker und kann das Leid sehen und seinen Anteil der Wut nehmen.

powercode

Vorgehen mit voller Power in der Mediation

Die Fragen sind dann an die beiden Konfliktpartner:

1. Wie ist es (wäre es) mit den Kräften der Ahnen anders? Bitte hineinspüren, neu erleben und dann dem Partner erzählen.

2. Taucht zeitlich die erste Systemgesetzverletzung auf, so sollen beide das Neue erleben. Wahrscheinlich wäre die Verletzung mit den Kräften nicht so gewesen.

3. Welches verletzte Gefühl ist entstanden? A beschreibt, wo es wehgetan hat und welches Gefühl dabei war, zum Beispiel: „Ich hatte einen Kloß im Hals und Angst.“
System Empowerer an B: „War es Ihre Absicht, dass diese Gefühle bei A entstehen?“ B normalerweise: „Nein, es war nicht meine Absicht!“ Dann benennt B, was sein Verhalten bei A ausgelöst hat: „Es tut mir leid, dass Sie dabei diesen Kloß im Hals hatten.“ System Empowerer an A: „Ist es angekommen?“ A sagt: „Ja!“ Wird dieses Vorgehen ohne realen Konfliktpartner, also nur innerlich durchgeführt, so erkennt die Person trotzdem, ob es die andere Person ehrlich meint. Die Verletzung löst sich dann auch auf.

4. B sieht das Leid und nimmt die Wut von A, bei Trauer auch die Wut über die Trauer. Erst dann kann A geben. B nimmt den Anteil der Wut, für den er verantwortlich ist, den Rest lässt er innerlich von seinen mitverantwortlichen Ahnen nehmen. Dann benennt B das neue Verhalten: „Hätte ich gewusst, dass es Sie verletzt, hätte ich … Mit dem Wissen von heute …“ Daraus entsteht bei A eine neue Brille.

5. Jetzt noch einmal das Neue erleben (die Situation noch einmal assoziiert ansehen und die veränderten Gefühle und Worte wahrnehmen, hören, spüren), d. h. die Verletzung hat sich aufgelöst!

6. Zur nächsten Situation gehen und aufarbeiten (Schritte 2 bis 6)

7. Wenn in der Gegenwart angekommen, bitte noch Schritte in die Zukunft gehen lassen.

Treten Systemgesetzverletzungen auf, so wird auch die Interpretation, wie der Verletzte den Verursacher sieht, mit verändert. Deshalb ist es wichtig, auch diese Interpretationen mit den neuen Kräften und den aufgelösten Systemgesetzverletzungen zu aktualisieren.

Coaching für die Persönlichkeitsentwicklung des System Empowerers

 

Um als System Empowerer andere Menschen, Teams oder Unternehmen mit einer Mediation unterstützen zu können, muss der System Empowerer das nötige Handwerkszeug zur Verfügung haben. Außerdem gilt es, jederzeit eine Auftragsklärung mit den KDW-Fragen und dem SystemCheck (zumindest innerlich) durchzuführen. Gibt es ein Nein bei den Antworten für die Kann, Darf und Will ich das?-Fragen, so gilt es, diese im Coaching zu klären. Die oben beschriebenen Gründe, wieso es schon beim Kennenlernen nicht gut war, können natürlich auch auf den System Empowerer zutreffen.

Beispiel für Persönlichkeitsentwicklung: Ein Teilnehmer der System Empowerer Fortbildung musste von sich aus in der Mediation immer nett und freundlich sein und durfte nicht etwas lauter oder resoluter werden. Dieses Verhalten führte in der Mediation zu einem Prozessstillstand. Dahinter stand eine ungelöste Verletzung, die im Coaching aufgelöst wurde. Danach hatte er das Potenzial, auch etwas resoluter zu sein.

Eine ausführliche Beschreibung über Persönlichkeitsentwicklung, wie ungelöste Verletzungen bearbeitet werden oder Systemgesetzverletzungen bei den Vorfahren, die in uns noch wirken, mit Hilfe der Genea-Methode aufgelöst werden, finden Sie im Buch von Dr. Dieter Bischop „Persönlichkeitsentwicklung mit System“.

Die Persönlichkeitsentwicklung steht in der System Empowerer Fortbildung an erster Stelle. Die Handlungskompetenz zu erhalten, andere mediieren und coachen zu können, ist die eine Seite der Medaille, die wichtigere, andere Seite ist die innere Haltung. Bin ich genügend weit persönlich entwickelt, damit es mir gut geht und ich Wirkung erzielen kann?
Der Prozess geht voran und dem System Empowerer geht es gut, wenn er im Prozess ist. Stockt der Prozess, so ist wahrscheinlich der System Empowerer inhaltlich befangen.

Aufgabe

Erkennt der Coach oder Mediator eine Störung oder ein unstimmiges Gefühl, so liegt oft eine inhaltliche Befangenheit vor. Hier ist dann ein Coaching angebracht, um die dahinter liegenden eigenen Themen im Coaching aufzudecken und zu integrieren.

Fazit

Konfliktlösung mit System Empowering: Coaching und Konfliktlösung wachsen zusammen

In der Konfliktlösung mit System Empowering wird einerseits Coaching gebraucht, wenn die nicht erfüllten Voraussetzungen „Es war mal gut“ und „Beide ausgeglichen stark genug“ hergestellt werden sollen. Andererseits wird Coaching zur Persönlichkeitsentwicklung, zur Auftragsklärung und zur Reflexion des Mediators selbst benötigt. Außerdem kann ein Coaching für eine Führungskraft dazu führen, dass danach eine Konfliktlösung mit System Empowering durchgeführt wird. Um diese Verbindung von Coaching und Mediation deutlich zu machen, hat Dr. Dieter Bischop früher vom Coach Mediator gesprochen. Heute sprechen wir vom System Empowerer, weil so nicht nur Coaches und Mediatoren arbeiten, sondern auch Berater und Juristen, die Unternehmer in Konflikten begleiten.

Für Ihre Praxis heißt das: Stockt ein Verfahren, weil es zwischen den Beteiligten nie gut war oder eine Seite nicht stark genug ist, liegt die Ursache nach unserer Erfahrung vor dem aktuellen Streit. Dann braucht es zuerst Coaching, damit die fehlenden Voraussetzungen entstehen, und danach geht die Mediation weiter. Das gilt im Gesellschafterstreit genauso wie in der Unternehmensnachfolge.

Weiterführend

Grundlagen: System Empowering verstehen, Systemgesetze einordnen und Ursachenklärung nachvollziehen

Sie begleiten Unternehmer und kommen bei einem Mandat an eine Grenze? In der System Empowerer Fortbildung lernen Sie, die Ursache im Fundament zu erkennen und aufzulösen. Der nächste Durchgang startet am 28. Januar 2027.

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