Wer Erwartungen hat, wartet.
Die Macht der Erwartungen: Wie klare Kommunikation Konflikte verhindert
Zwei Gesellschafter, die lange gut zusammengearbeitet haben, reden kaum noch miteinander, und keiner kann genau sagen, wann es angefangen hat. Im Mandat zeigt sich dann oft, dass einer vom anderen etwas erwartet hat, ohne es je auszusprechen. Ob zwischen Senior und Nachfolger oder zwischen Ihrem Mandanten und Ihnen: Unausgesprochene Erwartungen gehören nach unserer Erfahrung zu den häufigsten Konfliktursachen, auf die Sie als Berater, Jurist, Coach oder Mediator treffen. In diesem Beitrag und in der Podcastfolge geht es darum, wie Erwartungen so ausgesprochen werden, dass daraus kein Konflikt entsteht.
Warum sind Erwartungen wichtig?
Erwartungen sind in gewisser Weise der Treibstoff für unsere Motivation. Sie setzen Ziele, wecken Wünsche und treiben uns an, Dinge zu erreichen. Ohne Erwartungen könnten wir uns kaum vorstellen, wie unsere Zukunft aussehen sollte. Erwartungen sind also nicht grundsätzlich schlecht, sondern im Gegenteil, sie können uns helfen, unsere Ziele zu definieren und uns auf den Weg zu bringen.
Die Gefahr unausgesprochener Erwartungen
Aber hier liegt das Problem: Erwartungen sollten ausgesprochen werden, um effektiv zu sein. Wie das Eingangszitat sagt: "Wer Erwartungen hat, wartet. Erwartungen sollten als Ziel, Aufgabe, Wunsch oder Forderung ausgesprochen werden." Wenn wir unsere Erwartungen nicht kommunizieren, führt das oft zu Missverständnissen und Konflikten.
Unausgesprochene Erwartungen als Konfliktursache anzusehen, macht Sinn. Denn unausgesprochene Erwartungen führen dazu, dass die andere Person diese nicht kennt und deshalb diese Erwartung nicht erfüllen kann. Bleibt die Erwartung unerfüllt, so fühlt sich die Person schlecht, die wartet. Im System Empowering gehen wir deshalb davon aus, dass unausgesprochene Erwartungen zu Konflikten und Verletzungen der Systemgesetze führen. Verletzt wird dabei das erste Systemgesetz, das Recht auf Zugehörigkeit (kein Ausschluss).
Falsch ausgesprochene Erwartungen als Konfliktursache
Unausgesprochene Erwartungen sollten nicht vorkommen, sondern ausgesprochen werden.
Erwartungen werden am besten ausgesprochen als
- Ziel
- Aufgabe
- Wert
- Anweisung
- Forderung oder
- Wunsch
Die ersten fünf (Ziel, Aufgabe, Wert, Anweisung und Forderung) sind so zu formulieren, dass dem Gegenüber klar ist, dass eine Nichterfüllung negative Konsequenzen hat.
Es darf nur eine Erwartung als Wunsch formuliert werden, wenn eine Nichterfüllung keine negativen Auswirkungen hat. In fast allen Fällen ist aber eine Erwartung kein Wunsch.
Die Frage nach den Erwartungen
Fragt die Führungskraft, welche Erwartungen die Mitarbeiter an sie haben, ist das eine gefährliche Frage. Denn gefühlt ist die Erwartung persönlich und an die Person gebunden. Wenn die Führungskraft diese Erwartung nicht erfüllen kann oder will und das ausspricht, fühlen sich die Mitarbeiter schlecht. Auch hier gilt: Die Führungskraft fragt nicht „Welche Erwartungen habt ihr an mich?“, sondern welche Werte wichtig sind und welche Wünsche oder Ziele es gibt.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Frage 1: Warum ist es wichtig, Erwartungen auszusprechen?
Es ist wichtig, Erwartungen auszusprechen, damit andere Menschen wissen, was von ihnen erwartet wird. Wenn Erwartungen unausgesprochen bleiben, kann es leicht zu Missverständnissen und Enttäuschungen kommen. Die andere Person kann die Erwartungen nicht erfüllen, wenn sie diese nicht kennt.
Frage 2: Wie kann man Erwartungen effektiv kommunizieren?
Erwartungen können effektiv kommuniziert werden, indem man offen und ehrlich darüber spricht. Es ist wichtig, klar und präzise zu sein und sich Zeit für ein Gespräch zu nehmen, wenn nötig. Vermeiden Sie Annahmen und Missverständnisse, indem Sie Ihre Erwartungen deutlich artikulieren.
Frage 3: Was passiert, wenn Erwartungen unausgesprochen bleiben?
Wenn Erwartungen unausgesprochen bleiben, führt dies oft zu Konflikten und Enttäuschungen. Die Person, die wartet und die unausgesprochene Erwartung nicht erfüllt sieht, kann sich schlecht fühlen. Dies kann zu Spannungen und Problemen in Beziehungen führen. Wir sprechen dann von Verletzungen der Systemgesetze, da Ausschluss vorliegt.
Frage 4: Gibt es Situationen, in denen unausgesprochene Erwartungen akzeptabel sind?
Auch Erwartungen, die selbstverständlich scheinen, etwa grundlegende Höflichkeitsregeln, sollten ausgesprochen werden. Unausgesprochene Erwartungen führen leicht zu Missverständnissen und Konflikten. Sprechen Sie Ihre Werte aus.
Fazit
Für Ihre Arbeit mit Unternehmern heißt das: Hinter einem festgefahrenen Streit zwischen Gesellschaftern oder zwischen Senior und Nachfolger steckt nach unserer Erfahrung oft eine Erwartung, die nie ausgesprochen wurde. Helfen Sie Ihrem Mandanten, sie als Ziel, Aufgabe, Wert, Anweisung, Forderung oder Wunsch zu formulieren, dann weiß das Gegenüber, woran es ist. Ist aus der unerfüllten Erwartung schon eine Systemgesetzverletzung entstanden, wird sie im System Empowering zuerst aufgelöst, bevor es um die Sachfragen geht.
Weiterführende Überblicke finden Sie im Artikel: Konfliktlösung und Konfliktmanagement.
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