Ein Unternehmer erzählt Ihnen im Mandat, dass er für eine Position immer wieder die Falschen einstellt. Wer neu kommt, geht nach wenigen Monaten oder bekommt vom Team keine Chance. Dann lohnt sich ein Blick auf den Vorgänger. Nach unserer Erfahrung liegt die Ursache oft nicht bei den Neuen, sondern auf dem Platz, den sie einnehmen: Es ist ein vergifteter Platz.
Ein solcher Platz ist häufig Konfliktursache und entsteht durch Verletzungen der Systemgesetze. Wird ein Mensch ausgeschlossen, nicht anerkannt oder gemobbt, fühlt er sich sehr schlecht, hat Angst, Trauer und Wut. Verlässt er das System, nimmt er diese verletzten Gefühle mit und hinterlässt einen Abdruck im System. Deshalb hat der Ausschluss einer Person auch negative Folgen für das System. In der Konfliktlösung haben wir es oft mit vergifteten Plätzen zu tun, die wir zuerst herausfinden müssen, um sie dann aufzulösen.
Systemgesetzverletzungen: die Folge ist ein vergifteter Platz
Beispiel: Ausschluss und fehlende Anerkennung
Ein Geschäftsführer, der ein Werk in Übersee aufgebaut hat, wird vom neuen Holdingchef unehrenhaft entlassen. Daraus entsteht ein vergifteter oder verbrannter Platz. Unehrenhaft heißt hier, dass ohne Vorankündigung der neue Geschäftsführer präsentiert wird. Andere Beispiele: Dem alten Geschäftsführer wird eine hierarchisch niedrigere Position angeboten, oder ihm wird eine höhere Chefebene übergestülpt.
Der Holdingchef erkennt den alten Geschäftsführer nicht als Person an und auch nicht, was er alles für das Unternehmen geleistet hat, nicht einmal den Aufbau des Werkes.
Selbst wenn es auf der Sachebene gute Gründe für eine Entlassung gibt, kommt es darauf an, wie sie ausgesprochen wird und wie gehandelt wird. Die Anerkennung muss deutlich werden und beim Geschäftsführer und bei den Mitarbeitern ankommen. Fühlt sich der alte Geschäftsführer gewürdigt, ist eine Kündigung kein Ausschluss. Eine Entlassung führt dann zu Ausschluss, wenn sie ohne Anerkennung geschieht und über den alten Geschäftsführer nicht mehr geredet werden darf. Der alte Geschäftsführer fühlt sich verletzt und ist wütend.
Loyalität
Die Folge eines solchen Ausschlusses ist, dass sich die Mitarbeiter ebenfalls ausgeschlossen und nicht anerkannt fühlen. Sie werden dadurch dem Alten gegenüber loyal, selbst wenn es sachlich gesehen negative Seiten gab. Gleichzeitig entsteht Angst bei den Mitarbeitern, denn sie fragen sich, wen es als Nächsten trifft.
Eine Folge davon ist Demotivation, die so weit gehen kann, dass die Mitarbeiter die Firma unbewusst in den Ruin treiben. Das Werk könnte ab diesem Zeitpunkt rote Zahlen schreiben, damit der Holdingchef keine Gewinne daraus ziehen kann. Manchmal arbeiten die Mitarbeiter gerade so viel, dass das Werk überleben kann, der Holdingchef aber keinen Erfolg hat. So zeigen sie, dass der frühere Chef es doch besser konnte.
Vergifteter oder verbrannter Platz
Betrachtet man den Platz des ausgeschlossenen alten Geschäftsführers, so ist dieser Platz vergiftet. Wer diesen Platz einnimmt, hat in den meisten Fällen keine Chance, etwas Positives zu bewirken und zufrieden zu arbeiten. Sei es, weil die alten Mitarbeiter ihm keine Chance lassen. Sei es, weil er Verhaltensweisen des alten Geschäftsführers übernimmt und dadurch Ärger mit dem Holdingchef bekommt.
Das System will keinen Ausschluss und tut alles dafür, Ausschluss aufzuheben oder auszugleichen.
Alles scheinbar Negative, etwa Demotivation oder dem Neuen keine Chance zu geben, hat den positiven Sinn, den Ausschluss aufzuheben.
Auflösen eines vergifteten Platzes
Voraussetzung dafür ist, dass die Ehre des alten Chefs wiederhergestellt wird. Dafür ist notwendig, dass ihm von Herzen Anerkennung für seine Leistung ausgesprochen wird, dass weiterhin gut über ihn geredet wird und werden darf und dass er einen passenden Ausgleich erhält. Der Vorgänger muss dazu nicht anwesend sein.
Entscheidend ist auch hier, dass die Anerkennung und Würdigung von Herzen kommt, wirklich ernst gemeint ist und beim Gegenüber ankommt. Ist das nicht möglich, ist eine Konfliktlösung mit System Empowering sinnvoll, in der die Systemgesetzverletzungen aufgelöst werden.
Zwei Fragen helfen bei der Diagnose:
- Gab es für die Position einen Vorgänger? Wenn ja, ist er im Guten gegangen? Oder gab es Systemgesetzverletzungen? Wurde der Vorgänger ausgeschlossen, oder ist er mit Wut gegangen? Ist bei den Beteiligten Angst entstanden, wie mit dem Vorgänger umgegangen wurde?
- Wann war es beim Vorgänger und den anderen Beteiligten noch gut? Welche Personen sind dafür verantwortlich, dass es zu einem vergifteten Platz gekommen ist?
Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: Eine Firma hat kein „Glück“ mit ihren Vertriebsleitern. Zurzeit hat sie gar keinen. Der letzte ist von sich aus gegangen und war nur drei Monate dort. Davor war ein Mitarbeiter aus dem Vertriebsteam zum Leiter aufgestiegen, der ebenfalls nach sechs Monaten das Unternehmen verließ oder verlassen musste. Wie sich herausstellte, war ein früherer, langjähriger Vertriebsleiter ausgeschlossen worden, weil er dem neuen Geschäftsführer zu mächtig war.
Natürlich kann der Geschäftsführer den Vertriebsleiter entlassen, er muss es aber mit Anerkennung tun. Da er das nicht tat, muss er mit den negativen Folgen leben.
Das System reagierte darauf so, dass keiner diesen vergifteten Platz einnehmen wollte und ausfüllen konnte.
Vergifteter Platz in einer Patchwork-Familie
Ein Ehepaar hat ein gemeinsames Kind. Trennen sich die Eltern im Schlechten, werden also die Verletzungen wie Leid und Wut nicht aufgelöst und schließen sich die Eltern aus oder reden schlecht übereinander, bleiben zwei vergiftete Plätze übrig, jeweils neben einem Elternteil.

Geht zum Beispiel die Mutter eine neue Beziehung ein, muss der neue Partner das frühere Elternpaar anerkennen und auch, dass das Kind mit der Mutter ein früheres System bildet. Er muss sich zurückstellen.
Beim Kind muss das Gefühl ankommen, dass es für die Mutter wichtiger ist als der neue Mann. Erst dann kann ein neues System aus Mutter, Kind und neuem Mann entstehen, das auf gegenseitiger Wertschätzung beruht. Fühlt sich das Kind von der Mutter oder vom neuen Mann nicht genügend wertgeschätzt oder verliert es die Position des Früheren, wird es versuchen, den neuen Mann auszuschließen.
Gibt es in dem Beispiel einen vergifteten Platz neben der Mutter, reicht das Verhalten des neuen Partners nicht aus, denn die Mutter kann selbst das Frühere nicht anerkennen. Der neue Partner bekommt oft die Wut des Kindes ab, obwohl diese Wut durch die Eltern entstanden ist. Auch spürt der neue Partner etwas von dem Leid und der Wut des früheren Ehemannes.
Gibt es keinen neuen Partner, übernimmt normalerweise ein Kind diesen vergifteten Platz.
Folgen können sein:
- Kinder fühlen sich für die Eltern verantwortlich. Das erlebe ich oft bei Unternehmensnachfolgen in Familienunternehmen: Die Plätze sind vertauscht, Eltern sind nicht Eltern, sondern gleichberechtigt mit den Kindern.
- Kinder können keine eigene feste Paarbeziehung eingehen, weil sie gebunden sind, „verheiratet mit der eigenen Mutter oder dem eigenen Vater“. Bei einem Partner taucht dann die Frage auf: Wer ist wichtiger, ich oder deine Mutter?
- Kinder bekommen nicht genügend Kraft, mit allen Folgen.
Was das für Ihr Mandat bedeutet
- Woran Sie es erkennen: Eine Position wird immer wieder neu besetzt, und keiner bleibt lange. Fragen Sie dann nach dem Vorgänger: Ist er im Guten gegangen, oder wurde er ausgeschlossen?
- Eine weitere Neubesetzung ändert daran nach unserer Erfahrung wenig. Solange der Platz vergiftet ist, hat auch der Nächste kaum eine Chance.
- Begleiten Sie eine Trennung, etwa von einem Geschäftsführer, kommt es nicht nur auf die sachlichen Gründe an. Entscheidend ist, wie die Trennung ausgesprochen wird und ob die Anerkennung für seine Leistung bei ihm und bei den Mitarbeitern ankommt.
- In der Nachfolge im Familienunternehmen achten Sie darauf, ob die Plätze vertauscht sind und sich die Kinder für die Eltern verantwortlich fühlen.
- Kann der Unternehmer dem Vorgänger die Anerkennung nicht von Herzen aussprechen, ist eine Konfliktlösung sinnvoll, in der die Systemgesetzverletzungen aufgelöst werden. Dafür können Sie uns im Mandat hinzuziehen.
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