Ein Unternehmer hat sich mit seinem Mitgesellschafter geeinigt, der Vertrag ist unterschrieben, und trotzdem brodelt es weiter. Oder das klärende Gespräch mit dem Nachfolger kommt gar nicht erst zustande. Als Berater, Jurist, Coach oder Mediator merken Sie dann, dass die Sachlösung nicht trägt, solange die unguten Gefühle bleiben.
Was dahintersteckt und welche fünf Voraussetzungen Sie im Mandat prüfen können, zeigt dieser Artikel, und wir sprechen im Podcast darüber.

Warum lässt sich ein Konflikt manchmal nicht lösen?

Im System Empowering gehen wir von fünf Voraussetzungen aus, unter denen eine Konfliktklärung mit dem PowerCode gelingen kann. Fehlt eine davon, bleibt die Lösung aus, oft nicht aus mangelndem Willen, sondern weil die Grundlage fehlt.

1. Die verursachende Person muss bekannt sein

Sie können nur klären, was Sie zuordnen können. Ist die Person, die eine Systemgesetzverletzung ausgelöst hat, nicht anwesend, nicht bereit oder schon verstorben, geht die Klärung auch innerlich, vor dem eigenen Auge, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind. Das ist kein Notbehelf, sondern ein vollwertiger Weg in System Empowering.

2. Es gab einen Punkt, an dem es gut war

Wer sofort in den Konflikt einsteigt, geht vorbelastet in die Klärung und macht sie dadurch oft unmöglich. Im System Empowering wird deshalb zuerst der Moment gesucht, bevor die erste Verletzung entstand: das Kennenlernen, eine gemeinsame gute Situation. Solange es noch gut oder neutral zwischen zwei Menschen ist, ist die wertschätzende Haltung von selbst vorhanden, sie muss nicht hergestellt werden. Sie geht erst durch Systemgesetzverletzungen verloren. Im PowerCode wird sie wiederhergestellt, indem man innerlich zu diesem früheren Zeitpunkt zurückgeht. Sind alle Verletzungen aufgelöst, stellt sie sich automatisch wieder ein: als Ergebnis, nicht als Technik.

3. Genug eigene Kraft zum Zeitpunkt der ersten Systemgesetzverletzung

Im System Empowering gehen wir davon aus, dass Sie nicht nur das Leid Ihrer eigenen Geschichte mit sich tragen. Was Ihre Vorfahren erlebt haben, kann genauso auf Ihnen lasten, als Trauer, Angst, Wut oder Antriebslosigkeit, ohne dass Sie wissen, woher das kommt.
Fehlt Ihnen an diesem Punkt die Kraft, eskalieren Sie einen Konflikt möglicherweise, obwohl Sie das gar nicht wollen. In diesem Fall ist es sinnvoll, zuerst dieses Fundament aufzubauen, bevor Sie in die Klärung gehen. Die Genea-Methode arbeitet genau hier.

4. Die Verletzung wird sprachlich richtig angesprochen

Klingt simpel, ist es oft nicht. Wenn Verletzungen tief sitzen, fällt es schwer, Worte zu finden, die das Gegenüber nicht erneut angreifen. Es geht darum, Vorwürfe zu vermeiden und konkret zu benennen, was die Systemgesetzverletzung ausgelöst hat.

5. Das Denkgefühl kann sich verändern

Ein Konflikt ist wirklich gelöst, wenn Sie zurückdenken und keine unguten Gefühle mehr entstehen. Im System Empowering entsteht durch die Arbeit eine neue innere Brille: neue Bilder, neue Bewertungen. Sie erkennen vielleicht, dass Sie selbst damals nicht anders handeln konnten, weil Sie noch nicht die nötige innere Stärke hatten. Oder Sie sehen die Situation der anderen Person mit anderen Augen. Die negativen Emotionen lösen sich von der Person. Das ist das Zeichen, dass der Konflikt wirklich aufgelöst ist.

Was können Sie ohne Coaching tun?

Vorab: Jeder Mensch ist anders, und was für eine Person wirkt, muss bei einer anderen nicht ankommen. Dennoch gibt es einen Ansatzpunkt, den Sie ausprobieren können.
Wenn Sie in der Lage sind, Ihren eigenen Anteil am Konflikt zu erkennen und innerlich herauszunehmen, kann sich bereits etwas verschieben.

Ein Beispiel: Sie neigen dazu, gesammelte Wut an einer Person auszulassen, die nur der Auslöser, nicht die eigentliche Ursache ist. Die andere Person bekommt viel zu viel ab. Sobald Sie diese Dynamik erkennen, können Sie die Wut innerlich zurücknehmen und das Leid der anderen Person wahrnehmen. Die wertschätzende Haltung für die Klärung entsteht, wenn Sie in die Zeit zurückgehen, in der es zwischen Ihnen beiden noch gut war.

Können Sie Konflikte präventiv verhindern?

Nach unserer Erfahrung kündigen sich Konflikte oft an. Signale kommen als Gedanken, Gefühle, Träume, Ereignisse oder Zufälle. Welche Signale Sie bekommen, hängt von Ihren Prägungen und von dem ab, was Ihre Ahnen Ihnen mitgegeben haben.
Ignorieren Sie diese Signale lange genug, entstehen daraus Konflikte: manchmal in Beziehungen, manchmal im Unternehmen, manchmal beides gleichzeitig.
Mehr dazu finden Sie im Artikel zur Signalarbeit sowie in der Übersicht zu Konfliktlösung und Konfliktmanagement.

FAQ: Konflikt nicht lösen können

Was ist der Unterschied zwischen einem ungelösten äußeren und einem inneren Konflikt?

Ein äußerer Konflikt ist auf der Beziehungsebene noch nicht geklärt. Ein innerer Konflikt bedeutet: Sie haben das Gespräch vielleicht schon geführt, aber die unguten Gefühle sind geblieben. In beiden Fällen zeigt das Fortbestehen der Gefühle, dass die eigentliche Systemgesetzverletzung noch nicht aufgelöst ist.

Kann man einen Konflikt lösen, wenn die andere Person nicht mitmacht?

Ja. In System Empowering ist eine Klärung auch innerlich möglich, vor dem eigenen Auge, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Das Ziel ist nicht das Gespräch, sondern die Auflösung der Systemgesetzverletzung. Dafür ist die andere Person nicht zwingend anwesend.

Was, wenn ich schon alles versucht habe?

Dann lohnt sich die Frage, ob die innere Kraft für die Klärung überhaupt vorhanden war. Ohne ausreichend Power im System kann selbst guter Wille nicht viel bewirken. Hier setzt das Coaching mit System Empowering an.

Reicht es nicht, Verständnis und Empathie aufzubringen?

Empathie ist hilfreich, solange keine tiefen Systemgesetzverletzungen mit verletzten Basisgefühlen vorliegen. Sie beeinflusst Denkgefühle positiv, zum Beispiel dadurch, dass man dem anderen keine böse Absicht unterstellt. Aber Basisgefühle, die durch Systemgesetzverletzungen entstanden sind, lassen sich durch Denken oder Verständnis nicht auflösen. Dafür braucht es die wertschätzende Haltung, die im PowerCode durch das Zurückgehen zum guten Ausgangspunkt wiederhergestellt wird.

Fazit für Ihre Arbeit im Mandat

Wenn ein Konflikt Ihren Mandanten innerlich nicht loslässt, obwohl äußerlich längst alles besprochen ist, ist das nach unserer Erfahrung ein klares Signal: Die Systemgesetzverletzung ist noch da. Eine weitere Vereinbarung auf der Sachebene ändert daran wenig. Prüfen Sie deshalb, welche der fünf Voraussetzungen fehlt, bevor Sie nach der nächsten Sachlösung suchen.

Wenn ein solcher Konflikt ein Mandat blockiert, können Sie uns im Mandat hinzuziehen.

Geschrieben von Dr. Dieter Bischop, Gründer des Hanseatischen Instituts in Hamburg und Begründer von System Empowering. Er hat das Kommunikationsmodell Bischop entwickelt und die zehn Systemgesetze zusammengestellt und bringt über 28 Jahre Praxiserfahrung aus über 2.000 Fällen mit.

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