Sie haben in einer Mediation oder Beratung eine Einigung erreicht, und kurz darauf sind Ihre Mandanten wieder wütend oder traurig. Nach unserer Erfahrung steckt dahinter häufig eine späte Einsicht: Vieles wäre besser verlaufen, wenn der Konflikt früher gelöst worden wäre. Das nennen wir Systemgesetzverletzung durch Erkenntnis.

 

Was ist eine Systemgesetzverletzung?

Systemgesetze sind Grundregeln, die nach unserer Erfahrung in jedem System gelten, im Unternehmen genauso wie in der Familie, etwa Zugehörigkeit, Anerkennung, Ausgleich von Geben und Nehmen und Früher hat Vorrang vor später. Fühlt sich eine Person ausgeschlossen, nicht respektiert, ungerecht behandelt oder wird der Vorrang des Früheren nicht beachtet, liegt eine Systemgesetzverletzung vor. Bei der verletzten Person können Ärger, Trauer und Angst entstehen. Zum Auflösen von Systemgesetzverletzungen nutzen wir den PowerCode, einen strukturierten Klärungsprozess. 

Systemgesetzverletzung durch vier verschiedene Erkenntnisse

Es gibt Situationen, da entstehen Wut und Trauer nicht zum Zeitpunkt der Situation, sondern im Nachhinein durch eine Erkenntnis. 

1. Unausgesprochene Erwartungen

Viele Missverständnisse, Konflikte und Beziehungsprobleme können allein dadurch entstehen, dass Erwartungen nicht ausgesprochen werden oder wurden. Wie das Wort schon aussagt, erwartet oder wartet die Person auf die unausgesprochene Erwartung. Bleibt die Erwartung unerfüllt, so fühlt sich die Person schlecht, die wartet. Somit führt eine unausgesprochene Erwartung zu Konflikten und Verletzungen der Systemgesetze. Das Systemgesetz Zugehörigkeit (kein Ausschluss) wird dadurch verletzt. Eine Erwartung sollte daher ausgesprochen werden. 

Am besten wird die Erwartung in einen Wunsch oder ein Ziel umgewandelt. Falls es für die aussprechende Person eine negative Konsequenz hat, wenn die Erwartung nicht erfüllt wird, sollte dies der anderen Person mitgeteilt werden. Dann kann sie besser entscheiden, ob sie die negative Konsequenz in Kauf nimmt oder ob sie lieber die Erwartung erfüllen möchte.

Im Coaching und in der Mediation erleben wir es immer wieder, dass eine Erwartung nicht ausgesprochen wurde und dadurch ein Konflikt entstanden ist. 

Die Person, die die Erwartung nicht kannte, bekommt dann die Erkenntnis: „Hättest du deine Erwartung als Aufgabe, Ziel, Wunsch, Forderung oder wenn es um Grundbedürfnisse geht, als deine Werte beschrieben, dann hätte ich handeln können und es wäre alles gut geblieben. Diese Erkenntnis ärgert mich und ich bin traurig.“

Das Thema Erwartungen können Sie hier vertiefen.

2. Aussprechen der ersten Verletzung

Häufig sprechen Menschen ihre Verletzung nicht aus. Dann verletzen sie bewusst oder unbewusst zurück. Wenn diese Rückverletzung dann ebenfalls nicht ausgesprochen wird, ist das typischerweise der Start einer Konfliktspirale, die dann in sehr heftigen und unangenehmen Hin- und Her-Verletzungen mündet. Wird dies im Rahmen einer Konfliktklärung aufgedeckt und die ersten Verletzungen mit dem PowerCode aufgelöst, entsteht die Erkenntnis: 

„Hättest du die erste Verletzung ausgesprochen und hätten wir diese aufgelöst, wäre der Rest nicht passiert, es wäre alles gut geblieben. Wir hätten uns viel Ärger und unschöne Situationen erspart. Das macht mich sehr traurig und wütend.“

3. Systemgesetzverletzungen in Beziehungen aufgelöst 

Im PaarCoaching, aber ebenso unter Gesellschaftern oder zwischen Senior und Nachfolger, können im Rahmen der Auflösung von Verletzungen einer oder beide Beteiligten das Gefühl bekommen, dass das eigene Leben anders verlaufen wäre. 

 
Erkenntnis: Neu ist der Gedanke, das eigene Leben wäre an bestimmten Stellen ganz anders gelaufen: „Wir hätten Kinder bekommen“ „Ich hätte einen anderen Beruf gewählt“. In einer Nachfolge kann es die Einsicht sein, dass der Senior das Unternehmen viel früher hätte übergeben können. Die dadurch entstehenden Gefühle wie Wut und Trauer sind wiederum aufzulösen. 

4. Nach der Ahnenarbeit: starke Vorfahren  

Nach der Ahnenarbeit mit der Genea-Methode durchläuft der Klient im Empowering noch einmal sein Leben. 

Erkenntnis: „Hätte ich die starken Vorfahren und die volle Power schon bei meiner Geburt gehabt, wäre mein Leben komplett anders verlaufen. 

Ich hätte Urvertrauen und Zugehörigkeit und dadurch eine innere Ruhe gehabt. Mein Leben wäre nicht von Ängsten und Konflikten geprägt gewesen“. Dadurch können wieder Trauer und Wut entstehen, die ebenfalls aufgelöst werden.

Was das für Ihr Mandat bedeutet

  • Woran Sie es erkennen: Nach einer Einigung oder einer aufgelösten Verletzung fallen Sätze wie „Wäre das früher geklärt worden, wäre alles gut geblieben.“
  • Unausgesprochene Erwartungen sind ein häufiger Auslöser. Regen Sie an, Erwartungen als Wunsch, Ziel oder Aufgabe auszusprechen und eine negative Konsequenz offen zu nennen.
  • In der Nachfolge kann die Einsicht kommen, dass der Senior das Unternehmen viel früher hätte übergeben können. Rechnen Sie dann mit Wut und Trauer bei einem oder beiden Beteiligten.
  • Planen Sie nach einer Einigung Zeit für diese zweite Klärung ein. Wenn Sie sie nicht selbst übernehmen, können Sie uns im Mandat hinzuziehen.

Für Ihre Arbeit mit Mandanten heißt das: Werden Beteiligte nach einer Einigung erneut wütend oder traurig, ist die Klärung nicht gescheitert. Nach unserer Erfahrung entstehen die Gefühle aus der Erkenntnis, was hätte sein können, und lassen sich ebenso auflösen wie die ursprüngliche Verletzung. 

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