Konfliktlösung mit System Empowering
Zwei Gesellschafter haben sich auf eine Regelung geeinigt, alle haben unterschrieben, und ein halbes Jahr später ist der Streit zurück, nur mit einem neuen Anlass. Nach unserer Erfahrung liegt das selten an der Regelung. Die Einigung lag auf der Sachebene, die Verletzung darunter ist geblieben.
Klassische Mediation führt in vielen Konflikten zu guten Vereinbarungen. Liegt eine Verletzung darunter, setzt die Konfliktlösung mit System Empowering an einer anderen Stelle an. Sie klärt zuerst die Ursache im Fundament, auf der Ebene der Systemgesetze. Erst danach werden Vereinbarungen getroffen.
Klassische Mediation und Konfliktlösung mit System Empowering im Vergleich
| Klassische Mediation | Konfliktlösung mit System Empowering | |
|---|---|---|
| Fokus | Interessenausgleich und eine tragfähige Vereinbarung für die Zukunft | Auflösung der emotionalen Ursache, danach die Vereinbarung für die Zukunft |
| Ebene | Sach- und Beziehungsebene, Interessen hinter den Positionen | Zuerst die Systemgesetzebene, danach Sach- und Beziehungsebene |
| Werkzeuge | Harvard-Konzept, Gewaltfreie Kommunikation und weitere Gesprächstechniken | Systemgesetze, PowerCode, Genea-Methode, SystemCheck |
| Ergebnis | Eine Vereinbarung, die die Interessen beider Seiten berücksichtigt. Liegt eine tiefe Verletzung darunter, hält sie nach unserer Erfahrung oft nicht. | Eine Vereinbarung, die auch emotional getragen wird, weil die Verletzung aufgelöst ist |
Warum nicht über Positionen und Interessen gesprochen wird
Die klassische Mediation arbeitet sich von den Themen über Positionen und Interessen zur Lösung vor. Liegt eine Systemgesetzverletzung vor, führt genau das die Beteiligten nach unserer Erfahrung zurück ins Leid und oft weiter in die Eskalation. Eine Lösung in der Zukunft zu suchen, setzt eine Lösungsorientierung voraus, die bei einer starken Verletzung meist noch fehlt.
Das Orangenbeispiel aus dem Harvard-Konzept zeigt den Unterschied. Zwei Schwestern streiten um eine Orange, die eine braucht den Saft, die andere die Schale, und die Lösung liegt auf der Hand. Hat aber eine von beiden zuletzt alle Orangen bekommen, sagt die andere, sie brauche den Saft auch, selbst wenn sie ihn nicht braucht. Vor der Klärung nach Interessen zu fragen, erzeugt dann nur Scheinlösungen.
Der Ablauf
- Auftragsklärung. Wer ist beteiligt, wer hat mitverursacht, und was soll am Ende anders sein?
- Einzelarbeit mit beiden Seiten. Bevorzugt wird mit jeder Seite zuerst einzeln geprüft, ob eine Klärung möglich ist. So kommt niemand unnötig ins Leid. Einzelgespräche führen wir nur, wenn beide Seiten zu Beginn zustimmen, und was darin gesagt wird, bleibt vertraulich.
- Zurück zum guten Zeitpunkt. Die Beteiligten gehen innerlich zu einer Zeit zurück, in der es zwischen ihnen gut oder neutral war. Von dort aus wird die erste Verletzung ausgesprochen und mit dem PowerCode aufgelöst, danach die weiteren.
- Sachebene und Aktionsplan. Erst wenn die Verletzungen aufgelöst sind, werden Vereinbarungen, Entscheidungen und nächste Schritte gestaltet.
Der normale Betrieb läuft währenddessen weiter. Notwendige Entscheidungen werden getroffen, aufschiebbare möglichst verschoben.
Voraussetzungen
Die klassische Mediation setzt Freiwilligkeit voraus und lebt vom Vertrauen der Beteiligten in das Verfahren. In eskalierten Konflikten mit verletztem Fundament fehlt oft gerade das Vertrauen zueinander. Die Konfliktlösung mit System Empowering braucht zu Beginn deshalb etwas anderes: den Willen aller Beteiligten, mitzumachen und den Konflikt zu lösen.
Niemand wird zu einer gemeinsamen Klärung gezwungen. Oft entsteht der Wille, mitzumachen, erst, wenn allen klar geworden ist, was ein ungelöster Konflikt für sie und für das Unternehmen bedeutet. Jede Seite kann jederzeit abbrechen, das Ergebnis ist offen, und der System Empowerer ist allparteilich.
Dazu kommen die Voraussetzungen des PowerCodes: Es war zwischen den Beteiligten einmal gut oder neutral, die Verursacher sind bekannt, alle sind ausgeglichen kraftvoll genug, es wird sprachlich richtig vorgegangen, ohne Vorwürfe und Rechtfertigungen, und das Bild voneinander darf sich verändern.
Wenn eine Seite nicht mitmacht
Fehlt einem notwendigen Beteiligten der Wille, findet keine gemeinsame Klärung statt. Mit der Person, die teilnimmt, kann im Einzelcoaching gearbeitet werden. Die andere Seite wird dann innerlich einbezogen, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Das ist Coaching und keine gemeinsame Konfliktlösung. Mehr dazu im Beitrag Wenn die andere Person nicht teilnehmen will.
Rechtlicher Rahmen
Konfliktlösung mit System Empowering ist keine Mediation im Sinne des Mediationsgesetzes. Wir arbeiten als System Empowerer, nicht als Mediatoren, und übernehmen keine Rechtsberatung: Recht, Steuern und Verträge bleiben bei Ihnen und den Anwälten der Beteiligten. Verschwiegenheit ist für uns selbstverständlich, auch ohne Unterschrift: Hanseatisch heißt für uns, das gesprochene Wort gilt. Auf Wunsch halten wir sie vor Beginn zusätzlich schriftlich mit allen Beteiligten fest. Wer die Bezeichnung „zertifizierter Mediator“ führen möchte, findet die Voraussetzungen nach der ZMediatAusbV auf der Seite Ausbildung Zertifizierter Mediator.
Begriffe
Am Hanseatischen Institut hieß dieses Vorgehen früher „systemische Mediation“, später „Mediation mit System Empowering“. Heute nennen wir es Konfliktlösung mit System Empowering.
Für Ihr Mandat
Sie begleiten einen Gesellschafterstreit, eine Nachfolge oder einen Konflikt im Führungsteam, und die Einigung hält nicht? Sie können uns hinzuziehen. Wir übernehmen die Klärung der Ursache, Sie bleiben in Ihrer Rolle gegenüber dem Mandanten. Unser Stundensatz liegt bei 350 € netto. Wenn Sie die Methode selbst lernen möchten, finden Sie alles zur System Empowerer Fortbildung auf der Startseite.