Sie werden als Berater in ein Unternehmen geholt, und schon im ersten Gespräch zeigt sich: Der Inhaber möchte eine Aufgabe abgeben, die eigentlich seine ist, etwa eine schwierige Personalentscheidung oder die Neuordnung der Führung. Nehmen Sie den Auftrag so an, tragen Sie Verantwortung, die laut Organigramm beim Chef liegt. Das ist ein vergifteter Auftrag, und Sie können ihn schon in der Auftragsklärung erkennen.

Ein vergifteter Auftrag liegt vor, wenn jemand eine Aufgabe oder Verantwortung übernimmt, für die im Organigramm bzw. offiziell ein anderer zuständig ist. Das setzt voraus, dass dieser andere seine Verantwortung nicht genügend wahrnimmt. Damit ist ein Systemgesetz verletzt. Systemgesetze sind Grundregeln, die nach unserer Erfahrung in jedem sozialen System gelten, auch im Unternehmen. Dazu gehören Zugehörigkeit, Anerkennung, Ausgleich von Geben und Nehmen und der Grundsatz, dass höhere Verantwortung Vorrang hat. Wird eines davon verletzt, sprechen wir von einer Systemgesetzverletzung. Solange sie nicht aufgelöst ist, wirkt sie weiter.

Vergifteter Auftrag vom Chef

Ein Buchhaltungsleiter oder IT-Leiter bekommt einen geheimen Auftrag vom Chef. Das EDV-System muss dafür an den Wurzeln umgangen werden, und kein anderer darf davon erfahren. Dieses kann zum Ausschluss von anderen und dem neuen Mitarbeiter führen, die auch auf das System Zugriff hätten, da der Zugriff unterbunden werden muss.

Vergifteter Auftrag an Berater oder neue Mitarbeiter

Wird ein Berater oder auch ein neuer Mitarbeiter in ein Unternehmen geholt, damit ein Chef seine Verantwortung abgeben kann, so liegt auch ein vergifteter Auftrag vor.

Unternehmensberatung/Ausschluss Mitarbeiter/ Selbstausschluss Chef:

Beziehen Unternehmensberater die Mitarbeiter nicht in die Lösungsfindung mit ein, sondern verstehen sich als Experten, die die beste Lösung kennen, so kommt es dadurch zum Ausschluss der Mitarbeiter. Oft werden die Berater in die Unternehmen geholt, weil der Chef seine Verantwortung an sie abgeben will. Nach unserer Erfahrung ist der Chef danach nie wieder richtig Chef, denn er hat sich selbst von seiner Verantwortung und seiner Führungsrolle ausgeschlossen. In beiden Beispielen können die vergifteten Aufträge beim Kennenlernen dazu führen, dass es noch nie gut/neutral war.

Woran Sie einen vergifteten Auftrag in der Auftragsklärung erkennen:

  • Der Auftraggeber beschreibt ein Problem, an dem er selbst beteiligt ist, will aber nicht Teil der Lösung sein.
  • Sie sollen Entscheidungen treffen oder verkünden, die zu seiner Rolle gehören.
  • Die Mitarbeiter sollen nicht einbezogen werden oder von Ihrem Auftrag nichts erfahren.
  • Das Organigramm und die gelebte Verantwortung passen nicht zusammen.

Trifft das zu, klären Sie zuerst mit dem Chef, welche Verantwortung bei ihm bleibt. Ihr Auftrag ist dann, ihn in seiner Rolle zu stärken, statt sie zu übernehmen.

Vergifteten Auftrag erkennen und vermeiden: Systemgesetzverletzungen auflösen und das Z-AVKK berücksichtigen

Vergiftete Aufträge werden dann vergeben, wenn Systemgesetzverletzungen vorliegen oder die Aufgabe/Verantwortung nicht übernommen werden kann, weil die Ressourcen/Kompetenzen dazu ungenügend vorhanden sind. Zu Aufgaben mit einer Verantwortung gehören Kompetenzen/Ressourcen, damit überhaupt die Aufgabe ausgeführt werden kann. Dieser Zusammenhang lässt sich anschaulich als Dreieck darstellen.

Handwerkszeug: Das AVKK-Dreieck (Aufgabe, Verantwortung, Kompetenzen, Konsequenzen)

vergifteten Auftrag erkennen und vermeiden 


Eine Aufgabe mit der dazugehörigen Verantwortung lässt sich nur dann erfolgreich durchführen, wenn die entsprechenden Kompetenzen vorhanden sind!

Andernfalls sind die Schuhe zu groß für die Aufgabe und die Verantwortung. Deshalb ist es wichtig, sich mit den folgenden Fragen auseinanderzusetzen.

Kompetenzen/Ressourcen:

Kompetenzen/Ressourcen lassen sich in zwei Bereiche aufspalten. Der eine Bereich sind die vom Mitarbeiter mitgebrachten oder noch zu fördernden Kompetenzen/Ressourcen und der andere Bereich sind die zu übertragenden Kompetenzen/Ressourcen vom Unternehmen oder der Führungskraft.

Mitgebrachte oder zu fördernde Kompetenzen/Ressourcen:

  • Ressource: Wissen 
  • Fachwissen vorhanden?
  • Systemgesetze bekannt?
  • Kultur, Struktur, Vision bekannt?
  • Abläufe, Prozesse, Informationswege bekannt? (intern, Kunde, Länder)
  • Konsequenzen bekannt?
  • Aufgabe, Ziel, Verantwortung klar?
  • Insiderwissen über Kunden?
  • Kompetenzen/Ressourcen: Fähigkeiten
  • Sprache, körperlich, Zeit?
  • Bereitschaft, zu reisen?
  • Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen?
  • Soziale Kompetenz (z.B. Feedbackgespräch)?
  • Führungskreislauf bekannt?
  • Führungsfähigkeit (innere Haltung und Stärke) genügend vorhanden?

Übertragene Kompetenzen/Ressourcen:

  • Was darf ich?
  • Was darf ich nicht? Wo sind die Grenzen?
  • Welche Rechte habe ich?
  • Was muss sichergestellt werden, damit ich gut arbeiten kann? (z.B. Zeit,
    Bezahlung, Anerkennung, klare Definition, Z-AVKK, Wissen)

Ist aus einem vergifteten Auftrag bereits ein Konflikt entstanden, hilft die Konfliktlösung mit System Empowering. Eine ihrer Voraussetzungen ist, dass es zwischen den Konfliktpartnern beim Kennenlernen gut oder zumindest neutral war. Ein vergifteter Auftrag kann der Grund sein, warum es nie gut war. Die folgenden Fragen machen die Voreingenommenheit sichtbar; aufgelöst wird sie mit dem PowerCode.

Konfliktlösung mit System Empowering: Vorgehen für Situationen, in denen ein vergifteter Auftrag vorliegt (die Frage gilt für beide Konfliktpartner):

1. Gibt es ein Organigramm? Ist das Z-AVKK für jeden geklärt? Liegen Verantwortungsverschiebungen vor? Trägt jeder seine Verantwortung? Hat jeder alle Kompetenzen/Ressourcen? Gibt es Geheimnisse? Gibt es inoffizielle Verantwortliche?

2. Wenn Sie jetzt erkennen, dass ein vergifteter Auftrag vorlag, wie verändert sich Ihr Kennenlernen?

3. Inwieweit hat dieser vergiftete Auftrag Ihr Kennenlernen bestimmt? 

4. Wenn Sie diese Voreingenommenheit herausnehmen, was verändert sich dann? 

Wie wäre dann Ihr erstes Kennenlernen gewesen? Was verändert sich? Könnte es dann gut gewesen sein?

Einen vergifteten Auftrag erkennen und vermeiden setzt voraus, dass Systemgesetzverletzungen erkannt und aufgelöst werden. Nach unserer Erfahrung gilt: Ist der Chef ausgeglichen kraftvoll genug, also weder zu hart noch zu weich, übernimmt er seine Verantwortung selbst und sorgt dafür, dass er die nötigen Kompetenzen und Ressourcen hat. Dann entsteht kein vergifteter Auftrag.

Für Sie als Berater heißt das: Klären Sie vor dem Mandat, welche Aufgabe, Verantwortung und Kompetenz bei wem liegt. Läuft der Auftrag darauf hinaus, dass Sie die Rolle des Chefs übernehmen, beginnt die eigentliche Arbeit bei ihm. Erst wenn er seine Verantwortung wieder trägt, hat Ihre Beratung eine tragfähige Grundlage.

Sie begleiten Unternehmer und kommen bei einem Mandat an eine Grenze? In der System Empowerer Fortbildung lernen Sie, die Ursache im Fundament zu erkennen und aufzulösen. Der nächste Durchgang startet am 28. Januar 2027.

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