Zwei Gesellschafter sitzen mit ihrem Berater am Tisch, und das Gespräch kippt. Der eine wirft dem anderen vor, ihn bei einer wichtigen Entscheidung übergangen zu haben, der andere verteidigt sich. Beide haben sich vorher mit Gewaltfreier Kommunikation beschäftigt, und eine Zeit lang hat das geholfen. Beim nächsten Streitpunkt ist alles wieder da. Berater, Juristen, Coaches und Mediatoren kennen solche Mandate. Die Frage ist, was fehlt, wenn Gewaltfreie Kommunikation und ein empathischer Dialog allein nicht reichen.
Gewaltfreie Kommunikation: die vier Schritte
Konflikte gehören zum Miteinander, im Team, in Unternehmerfamilien und zwischen Geschäftspartnern. Wird es emotional, eskaliert die Kommunikation oft schnell. Vorwürfe, Schuldzuweisungen und verletzende Worte treten an die Stelle von Verständnis und Lösung. Hier setzt die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg an. Ihr Ziel ist, Sprache als Mittel zur Verbindung zu nutzen und nicht zur Trennung. Rosenbergs Konzept besteht aus vier Schritten:
- Beobachtung: Was ist konkret passiert?
- Gefühl: Wie fühle ich mich in dieser Situation?
- Bedürfnis: Welches Bedürfnis steht hinter meinem Gefühl?
- Bitte: Was wünsche ich mir vom Gegenüber?
Im Mittelpunkt stehen Ich-Botschaften, der Gesprächspartner bleibt in der Rolle des Zuhörenden. Das kann helfen, ein aufgeladenes Gespräch zu beruhigen, vorausgesetzt, es liegen keine tieferen Verletzungen vor. Mehr zur Methode finden Sie im Beitrag zur Gewaltfreien Kommunikation.
Wo Gewaltfreie Kommunikation im Mandat an Grenzen kommt
In unserer Praxis erleben wir immer wieder, dass die GFK an Grenzen stößt, wenn Systemgesetzverletzungen im Spiel sind. Systemgesetze nennen wir die Grundbedürfnisse und Ordnungen, die in jedem menschlichen System wirken, also auch in jedem Unternehmen und jeder Unternehmerfamilie. Verletzt werden sie zum Beispiel durch
- Ausschluss, etwa wenn ein Gesellschafter bei einer wichtigen Entscheidung übergangen wird,
- fehlende Anerkennung, etwa für die Aufbauleistung des Seniors,
- erlebte Ungerechtigkeit, etwa bei der Verteilung von Rollen oder Entscheidungen.
Solche Erfahrungen lösen Basisgefühle wie Leid, Trauer, Angst oder Wut aus. Im System Empowering gehen wir davon aus, dass sie unabhängig vom Denken entstehen und sich durch Denken nicht auflösen lassen, auch nicht über Bitten und Bedürfnisse. Ein Bedürfnis zu formulieren, das das Gegenüber nicht erfüllen kann oder will, kann sogar zu neuer Frustration führen.
Dazu kommt die Rolle der Empathie. Sie hilft in der Kommunikation, solange keine Verletzung vorliegt, und sie kann Denkgefühle positiv beeinflussen, etwa indem man dem anderen keine böse Absicht unterstellt. Verletzte Basisgefühle löst sie nach unserem Verständnis nicht auf. Ohne wertschätzende Haltung bleiben GFK-Formulierungen dann Technik ohne Fundament.
Im Mandat zeigt sich diese Grenze oft daran, dass Vereinbarungen nur bis zum nächsten ähnlichen Anlass halten. Das Gespräch hat die Denkgefühle erreicht, die Verletzung darunter ist geblieben.
System Empowering: anerkennen statt bitten
System Empowering ist eine Methode von Dr. Dieter Bischop. Sie ist eine Kombination und Weiterentwicklung bewährter Methoden, darunter GFK, NLP, Business-Coaching, systemische Aufstellungsarbeit und klassische Mediation, und setzt eine Ebene tiefer an, bei den Systemgesetzen.
Bei einer Verletzung stehen deshalb nicht Wünsche oder Bitten im Mittelpunkt, sondern die Anerkennung des erlebten Leids und die Übernahme der anteiligen Verantwortung durch den, der verletzt hat. Die Klärung beginnt nicht im Streit der Gegenwart. Die Beteiligten gehen innerlich zu dem Zeitpunkt zurück, an dem es zwischen ihnen noch gut war. Von dort aus folgt der PowerCode einer festen Gesprächsfolge. Die verletzte Person geht drei Schritte:
- Wertschätzende Haltung: Sie spricht aus der Zeit heraus, in der es noch gut war. Die anderen Beteiligten erinnern sich ebenfalls, jeder an einen eigenen guten Moment.
- Wahrnehmung: Sie beschreibt das verletzende Verhalten so, wie eine Videokamera es aufgenommen hätte, ohne Deutung und ohne Vorwurf.
- Wirkung (Basisgefühl I): Sie beschreibt oder zeigt das Leid, das das Verhalten ausgelöst hat, etwa einen Druck im Bauch, Trauer oder Angst.
Es folgt kein Appell und keine Bitte. Die verursachende Person antwortet ebenfalls in drei Schritten:
- Anerkennung: Sie steht zu ihrem Verhalten, sagt, dass es nicht ihre Absicht war, und benennt, was ihr Verhalten beim anderen ausgelöst hat. Ein allgemeines „Es tut mir leid“ reicht dafür nicht.
- Ausgleich: Sie übernimmt ihren Anteil der Verantwortung und nimmt den Anteil der Wut, für den sie verantwortlich ist. Erst wenn sie nimmt, kann die verletzte Person ihre Wut geben.
- Aussicht: Sie benennt, wie sie sich mit dem Wissen von heute verhalten hätte. Daraus entsteht bei der verletzten Person eine neue Brille, ein neues Bild der Beziehung.
Ausgleich und Aussicht können je nach Situation getauscht werden. Ab dem zweiten Schritt wird jedes Mal geprüft, ob es bei der anderen Person ankommt, und es geht nur weiter, wenn es ankommt. Rechtfertigungen gehören weder in die Anerkennung noch in den Ausgleich, denn sie erzeugen eine neue Verletzung.
Nach unserer Erfahrung kommt durch diesen Wechsel häufig Bewegung in festgefahrene Konflikte, weil es nicht mehr um Schuld und Rechtfertigung geht, sondern um Verantwortung.
Was das für Ihre Arbeit im Mandat heißt
Die GFK kann gute Dienste leisten, solange keine Systemgesetzverletzung vorliegt. Zeigen sich im Mandat Hinweise auf eine Verletzung, etwa Worte wie „übergangen“, „ungerecht“ oder „respektlos“, Sarkasmus oder Vereinbarungen, die nicht halten, bringt ein weiteres Gespräch über Bedürfnisse nach unserer Erfahrung wenig. Dann geht es um die Ursache im Fundament.
Liegt eine Verletzung vor, kommt die Sachebene im System Empowering immer danach: erst die Ursache auflösen, dann Vereinbarungen, Verträge und Entscheidungen gestalten. Der normale Betrieb läuft währenddessen weiter. Notwendige operative Entscheidungen werden getroffen, aufschiebbare möglichst verschoben. Wie eine solche Klärung abläuft, beschreibt die Seite Konfliktlösung mit System Empowering.
Wenn Sie System Empowering als Ergänzung Ihrer eigenen Arbeit lernen möchten, finden Sie alles Nähere zur System Empowerer Fortbildung.
Fazit: Kommunikation ist mehr als Worte
Gewaltfreie Kommunikation trägt viel zu mehr Verständnis in Konflikten bei. Liegt beim Mandanten eine Verletzung im Fundament, braucht es nach unserer Erfahrung mehr als Verständnis: einen Verursacher, der das Leid anerkennt und seinen Anteil der Wut nimmt, und erst danach eine Sachlösung.
Häufige Fragen
Ist System Empowering eine Variante der Gewaltfreien Kommunikation?
Nein. System Empowering ist eine Kombination und Weiterentwicklung mehrerer Methoden, darunter GFK, NLP, Business-Coaching, systemische Aufstellungsarbeit und klassische Mediation. Es setzt bei den Systemgesetzen an, also auf der Systemgesetzebene unter Sach- und Beziehungsebene.
Wann reicht Gewaltfreie Kommunikation im Mandat nicht aus?
Nach unserer Erfahrung dann, wenn eine Systemgesetzverletzung vorliegt, etwa Ausschluss, fehlende Anerkennung oder erlebte Ungerechtigkeit. Die dabei entstandenen Basisgefühle lassen sich durch Bitten und Bedürfnisse nicht auflösen.
Wenn Sie System Empowering auch im Vergleich zu anderen Methoden einordnen möchten: System Empowering im Vergleich.
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