Ob Sie als Berater, Jurist, Mediator oder Coach arbeiten: Bevor Sie ein Mandat annehmen, sollten Sie sich eine Frage stellen. Kann, darf, will ich dieses Mandat? Wenn Sie das nicht klären, merken Sie es oft erst mitten im Prozess, wenn etwas hakt. Eine fundierte Auftragsklärung ist deshalb das Fundament jeder Begleitung, beim Coaching einer einzelnen Person ebenso wie bei einer Mediation mit vielen Parteien. 

Eine stimmige Auftragsklärung umfasst unter anderem diese Fragen:

  1. Was ist das Ziel des Auftraggebers?
  2. KDW-Fragen: Kann/Darf/Will…ich das?
  3. Ökologiefragen (SystemCheck)

Wenn Sie Auftragsklärung im Unternehmen suchen und dafür einen Fragenkatalog mit Fokus auf Vision, Struktur, Unternehmenskultur und Systemgesetze nutzen möchten, finden Sie ihn hier: Fragen zur Auftragsklärung in der Entwicklung einer Unternehmenskultur.

KDW-Fragen als Entscheidungshilfe: Kann ich das, darf ich das, will ich das?

Vor jeder Mandatsannahme nutze ich als System Empowerer die KDW-Fragen: Kann ich das, darf ich das, will ich das? Nur wenn ich innerlich zu allen drei Fragen ein klares Ja habe, nehme ich den Auftrag an. Will, Kann und Darf bilden ein Dreieck, das erfüllt sein muss, damit ein Mensch stimmig handeln kann.

Will steht für Motivation und innere Bereitschaft.
Kann steht für Fähigkeiten, Erfahrung und methodische Sicherheit.
Darf steht für Erlaubnis, Mandat und innere Freigabe.

Gerade das Darf wird in der Praxis häufig übersehen. Ein Coach oder Berater kann hochmotiviert sein und fachlich alles mitbringen. Wenn das Dürfen nicht geklärt ist, entsteht später Reibung im Prozess. Das kann ein fehlendes Mandat im System sein. Es kann aber auch eine innere Bremse sein, die sich erst zeigt, wenn es ernst wird.

Wenn das Dürfen blockiert ist: typische Dynamiken

Loyalität zu Vorfahren
Manchmal erlaubt sich ein Mensch aus Loyalität unbewusst nicht, erfolgreicher oder freier zu werden als ein Vorfahre.

Fluch oder Verwünschung
Ein inneres Dürfen kann auch blockiert sein, wenn ein destruktiver Fluch wirkt, der Erfolg, Glück oder Sichtbarkeit verbietet.

Versprechen oder Gelöbnis
Ein Dürfen kann durch ein altes Versprechen gebunden sein, das im Heute weiterwirkt, obwohl es längst nicht mehr passt.

Ungelöste Verletzung
Ein Dürfen kann blockiert sein, wenn in der Kindheit etwas mit Strenge und ohne Herzseite korrigiert wurde. Dann bleibt im Unbewussten ein Muster zurück, das Handlung verhindert, obwohl Wille und Können da sind.

Beispiel: Will eine Person sich erfolgreich ein Geschäft aufbauen und der Wille und die Fähigkeiten sind da, so wird diese Person nach unserer Erfahrung Schwierigkeiten damit bekommen, wenn ein Fluch oder ein Loyalitätskonflikt mit den Ahnen vorliegt. Das spiegelt sich wider, wenn eine Person keinen Schulabschluss oder keinen Doktortitel erreichen  kann. Oder jemand baut sich mehrmals ein Geschäft auf und aus nicht erklärbaren Gründen scheitert er jeweils.

Im Mandat: Ein Nachfolger soll das Familienunternehmen übernehmen. Er ist fachlich gut vorbereitet und will die Aufgabe. Trotzdem schiebt er wichtige Entscheidungen auf, bis der Vater sie wieder an sich zieht. Oft steckt eine Loyalität dahinter: Unbewusst darf der Sohn den Vater nicht übertreffen.

Loyalität und Fluch klingen in einem Beratungsmandat ungewohnt. Im System Empowering verstehen wir darunter Bindungen aus dem Familiensystem, die unbewusst wirken und oft aus der Geschichte der Vorfahren stammen. Für Sie heißt das: Wenn beim Mandanten Wille und Können da sind und es trotzdem nicht vorangeht, helfen ein weiteres Konzept oder ein besserer Vertrag wenig, solange das Dürfen blockiert ist.

Diese Perspektive ist kein Ersatz für Zielklärung und Ökologiefragen. Sie ergänzt sie, weil sie erklärt, warum ein Prozess trotz guter Planung an einem unsichtbaren Punkt stehen bleiben kann.

Das Verstehen des Ziels des Auftraggebers ist zentral, um sicherzustellen, dass die Coaching-Sitzungen auf die gewünschten Ergebnisse ausgerichtet sind. Die KDW-Fragen (Kann/Darf/Will ich das?) ermöglichen dem Coach, in Bezug auf den spezifischen Auftrag seine Fähigkeiten (Kann), seine Erlaubnis, sein Mandat und seine innere Freigabe (Darf) sowie seine Motivation (Will) zu reflektieren. 

Die Ökologiefragen oder der SystemCheck sind entscheidend, um zu gewährleisten, dass die angestrebten Veränderungen im Einklang mit dem gesamten Lebens- und Arbeitssystem des Klienten stehen und keine unbeabsichtigten negativen Auswirkungen haben.

Die Grundlagen der Auftragsklärung: Nachhaltigkeit und Stimmigkeit

Ein essenzieller Teil der Auftragsklärung als Coach ist das Gefühl, dass der Auftrag stimmig ist. Stimmig bedeutet, dass keine kleinen Unstimmigkeiten, zweifelnde Gedanken oder ungute Körpersignale auftreten. 

Ist das der Fall, kann es sein, dass eine innerliche Befangenheit vorliegt. Stimmig bedeutet, dass das Gefühl beim Denken mit dem aus unserem Unbewussten übereinstimmt.

Die Zielklärung: der erste Schritt in Richtung Auftrag

Bei einem Erstgespräch mit einem Klienten oder einer Gruppe geht es darum, grundlegende Auftragsfragen zu klären. Diese beinhalten Fragen bezüglich der Kosten, Kostenanteile, Dauer und Ablauf des Coachings oder der Mediation.

Es wird auch geklärt, wer Teil des Prozesses ist und wer der Initiator ist. Hier werden auch die grundlegenden Verhaltensregeln festgelegt.

Im Kern dieser Phase steht dann das Ziel. Warum kommt ein Klient zu Ihnen und was möchte er oder sie durch ein Coaching erreichen?

Als Coach stellen wir uns auch die sogenannten KDW-Fragen: Kann ich das? Darf ich das? Will ich das?

Nur wenn alle Fragen mit einem klaren Ja beantwortet werden können, darf ich den Auftrag annehmen.

Trotz eines positiven Gefühls können negative Auswirkungen entstehen

Wichtig ist zu wissen, dass die Auftragsklärung kein einmaliger Vorgang ist. Während des Prozesses sollten Sie immer wieder überprüfen, ob der Auftrag weiterhin stimmig ist. Hier kommen die Ökologiefragen ins Spiel.

  • Was ist gut an dem, was wir jetzt haben?
  • Was muss man tun/lernen/verändern, damit die Vorteile der Gegenwart erhalten bleiben?
  • Welche negativen Konsequenzen können bei Zielerreichung / auf dem Weg dahin auftreten?
  • Was muss man tun/lernen/verändern, damit diese negativen Konsequenzen nicht auftreten?

Diese Fragen stellen Sie nicht nur Ihrem Klienten oder Mandanten, sondern auch sich selbst. Merken Sie Unstimmigkeiten im Prozess, ignorieren Sie sie nicht, sondern erkennen Sie sie an und klären Sie sie. 
Wie die Ökologiefragen zum Einsatz kommen, haben wir ausgiebig in dieser Podcastfolge: Wie fällt man die richtige Entscheidung besprochen. Eine kompakte Anleitung finden Sie hier.

Ob Beratungsmandat, Mediation oder Coaching: Die Auftragsklärung entscheidet, ob Sie später wirken können. Wenn Sie vor der Zusage ehrlich prüfen, ob Sie das Mandat können, dürfen und wollen, und die Ökologiefragen im Verlauf wiederholen, erkennen Sie Befangenheit und ein blockiertes Dürfen früh, bei sich selbst und beim Mandanten. Das erspart Ihnen und Ihrem Mandanten einen Prozess, der an einem unsichtbaren Punkt stehen bleibt.

FAQs

Was ist die Auftragsklärung?

Die Auftragsklärung ist das Fundament der Coachingarbeit. Sie klärt grundlegende Fragen wie Zielsetzung, Kosten, Dauer und Ablauf des Coachings oder der Mediation.

Worauf muss man bei der Auftragsklärung als Coach achten?

Ein Coach oder Berater sollte sicherstellen, dass der Auftrag stimmig ist und keine Unstimmigkeiten oder zweifelnden Gedanken auftreten. Es ist essentiell, dass das Gefühl beim Denken mit dem aus unserem Unbewussten übereinstimmt.

Welche Rolle spielt Auftragsklärung in der systemischen Beratung?

Auftragsklärung ist zentral in der systemischen Beratung, da sie die Grundlage für den gesamten Coachingprozess bildet. Während des Prozesses sollte der Coach regelmäßig überprüfen, ob der Auftrag weiterhin stimmig ist und die Ökologiefragen berücksichtigen.

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