Was sind eigentlich Systemgesetze und wie wirken sie?
Wenn Sie Unternehmer beraten oder Gesellschafter in einem Konflikt begleiten, kennen Sie Fälle, in denen keine sachliche Lösung greift. Nach unserer Erfahrung liegt der Grund dann oft tiefer, in einem verletzten Grundbedürfnis. Diese Grundbedürfnisse beschreiben die Systemgesetze. In dieser Folge geben Dieter und Felix einen Überblick über die ersten drei der insgesamt zehn Systemgesetze und erklären, wie sie wirken.
Systemgesetze beschreiben die menschlichen Grundbedürfnisse. Im System Empowering gehen wir davon aus, dass sie überall dort wirken, wo Menschen untereinander agieren. Den meisten Menschen sind die Systemgesetze nicht bewusst. Die Wirkung spürt aber jeder. Der Begriff Gesetz orientiert sich dabei an Naturgesetzen. Gemeint sind keine Gesetze im normativen Sinn, also keine Rechtsnormen, wie Juristen sie kennen. Wie die Gravitation spürt jeder die Wirkung der Systemgesetze. Im Gegensatz zu einem physikalischen Gesetz kommt es bei den Systemgesetzen auf das subjektive Empfinden an, ob es eingehalten wird oder nicht. Natürlich gibt es bestimmte Erfahrungswerte, wann Menschen sich typischerweise verletzt fühlen.
Zugehörigkeit
Das wichtigste Systemgesetz ist die „Zugehörigkeit zum eigenen System“. Denn Zugehörigkeit sorgt für das Überleben. Im Tierreich lässt sich das heute noch beobachten. Als wir noch in Herden umhergezogen sind, war Zugehörigkeit auch überlebenswichtig. Diese Prägung steckt tief in uns. Die Zugehörigkeit ist Grundlage für das Funktionieren zwischenmenschlicher Verbindungen. Im Mandat zeigt sich eine Verletzung etwa, wenn sich ein Gesellschafter bei einer wichtigen Entscheidung übergangen fühlt.
Anerkennung
Das Zweitwichtigste ist Anerkennung, Wertschätzung und Respekt. Voraussetzung ist hier aber die empfundene Zugehörigkeit. Wann sich jemand Wertgeschätzt fühlt, hängt von seinen Werten ab. Hier wird deutlich, dass es bei den Systemgesetzen auf das subjektive Empfinden ankommt. Der eine fühlt sich nicht wertgeschätzt, wenn eine Person 20 Minuten zu spät zur Verabredung kommt. Eine andere Person mit anderen Werten kann das ganz anders erleben. Hauptsache, die andere Person erscheint.
Anerkennung und Wertschätzung dürfen an keine Bedingung geknüpft werden. Muss jemand etwas aktiv dafür tun, um anerkannt zu werden, kommt es zu Verletzungen.
Häufig fordert der Chef dann Loyalität ein, obwohl er Systemgesetze verletzt hat oder nicht klar führt. Er wird dadurch aber keinen Respekt durch seine Mitarbeiter erhalten.
Es ist das Gleiche, wie Liebe einzufordern. Liebe kann mir mein Gegenüber nur freiwillig schenken. Muss ich Respekt, Liebe oder Loyalität einfordern, so hat sie keinen Wert mehr.
Die persönlich gefühlte Zugehörigkeit und Anerkennung sind die beiden wichtigsten Grundbedürfnisse innerhalb der Systemgesetze.
Ausgleich von Geben und Nehmen
An dritter Stelle steht der Ausgleich von Geben und Nehmen, also das Gefühl von Gleichgewicht und „Gerechtigkeit“. Werden alle drei Grundbedürfnisse erfüllt, ist ein System wie eine Familie oder ein Unternehmen motiviert, die Beziehungen funktionieren und eine erfolgreiche und lebenswerte Umgebung ist vorhanden.
Wird jedoch eines dieser drei Grundbedürfnisse nicht beachtet, so liegt eine Systemgesetzverletzung vor.
Das Gefühl von Gleichgewicht, Ausgleich oder Gerechtigkeit lässt sich nicht quantitativ messen. Es ist ein subjektives Gefühl der jeweiligen Person. Es kann sein, dass die eine Person das Gefühl hat, mehr zu geben, als sie bekommt. Bei einer Erbteilung kann sich ein Geschwisterteil benachteiligt fühlen, obwohl die Quoten rechnerisch stimmen.
Im System Empowering gehen wir davon aus, dass zwischenmenschliche Systeme wie ein Paar oder ein Unternehmen immer zu einem Ausgleich hinstreben.
Hat ein Arbeiter das Gefühl, nicht genügend Ausgleich für seinen Einsatz zu bekommen, so fühlt er sich ungerecht behandelt. Vielleicht lässt er Werkzeuge mitgehen, um für sich einen Ausgleich zu schaffen. Fühlt sich jemand in einem Team durch fehlenden Ausgleich benachteiligt, so wird er demotiviert.
Was das für Ihr Mandat bedeutet
- Zugehörigkeit: Achten Sie darauf, ob sich jemand bei einer wichtigen Entscheidung übergangen fühlt, etwa ein Gesellschafter.
- Anerkennung: Respekt und Loyalität lassen sich nicht einfordern. Fordert ein Unternehmer Loyalität ein, kann das ein Hinweis sein, dass er selbst Systemgesetze verletzt hat oder nicht klar führt.
- Ausgleich: Maßgeblich ist das subjektive Empfinden. Eine rechnerisch richtige Lösung reicht nicht, wenn sich jemand benachteiligt fühlt, etwa bei einer Erbteilung.
- Ist eines dieser Grundbedürfnisse verletzt und wollen Sie die Klärung nicht selbst übernehmen, können Sie uns im Mandat hinzuziehen.
Für Ihre Arbeit mit Mandanten heißt das: Kommt ein Konflikt trotz guter Lösung in der Sache nicht zur Ruhe, lohnt der Blick auf diese drei Grundbedürfnisse. Ist eines davon verletzt, reicht eine Einigung in der Sache allein meist nicht aus. Die übrigen sieben finden Sie im Artikel über die 10 Systemgesetze.
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